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17. Juni 2004 22:03

Diskussionsveranstaltung mit SCO in Jena - so war es

Hi,

so, nun ist die Veranstaltung beendet.

Ablauf:
16:15 Beginn, Herr Blepp hält einen Vortrag
19:00 Vortrag Ende, kleiner Umtrunk mit Diskussion
20:00 Ende der Veranstaltung

Der Vortrag war sehr interessant.

Zu allererst hat sich Gregrory Blepp mal vorgestellt. Er war erst bei
der Firma CA, dann bei Suse, hat United Linux mit angerührt und ist
dann zu SCO gekommen. Er hat dort eine beratende Tätigkeit. Weiterhin
ist er beim Verband der Software Industrie Deutschland.

Im erster Teil hat er die Vorteile von OpenSource aufgeführt und
betont, dass er nicht gegen OpenSource ist.

Im zweiten Teil ging es um die Feinheiten des Urheberrechts. Da hat
er unterschiedliche Methoden aufgezeigt, wie man ein Programm kopiert
(Copy->Paste, Copy->Paste->Umschreiben, nur die Idee klauen und
komplett neu programmieren usw.).

Im dritten Teil ging es dann um den Prozess SCO vs. IBM.
Da hat er Teile des umstrittenen Quellcodes gezeigt (natürlich nur,
wo ein Codeklau vermutet wird - bewiesen ist ja noch nichts). Er ist
auch auf das Urteil des Bremer Landgerichts eingegangen, dass SCO
Deutschland nicht behaupten darf, in Linux wäre Teile des SCO-Codes.
Er hat, wenn er das mal gesagt hat, immmer dazugesagt:"Wenn dem so
ist." Also fein aus der Affäre gezogen. Aber er hat betont, dass es
eigentlich gar nicht mehr um den Code geht. Das ist mittlerweile
völlig egal, der ist nun mal drin. Es geht nur darum, dass nach
Ansicht von SCO IBM einen Vertragsbruch begangen hat, in dem es die
Codezeilen nach Linux kopiert hat.
Auch auf die Verwurstelung mit AT&T und Novell ist er eingegangen.
Aber nur kurz, weil das wäre wohl ausgeufert.

Weiterhin hat er dann versucht die Frage zu klären, ob freie und
propertiäre Software nebeneinander existieren können. Antwort: ja,
denn z.B. SCO selbst liefert Unixware mit Samba, Mozilla usw. aus.
Was SCO stört ist die GPL, weil die kommerzielle Weiterentwicklung
unmöglich machen würde.

Der Vortrag war recht locker und bot auch einige Anlässe zur
Heiterkeit.


In der anschließenden Diskussion hat er mal etwas aus dem Nähkästchen
geplaudert. Zum Beispiel arbeiten bei SCO gerade mal 4 Leute an dem
Fall. Bei SCO arbeiten insgesamt ca. 250 Personen, davon etwa noch
40-50 Caldera-Linuxer.

In einer frühen Phase wollte SCO vom IBM einige wenige Millionen für
die "Urheberrechtsverletzung", aber die haben sich nicht darauf
eingelassen, warum, ist unbekannt.

Persönlich ist im der Ausgang des Verfahrens fast egal, da SCO
sowieso nicht mehr mit UNIX weitermachen wird (Firmenname versaut, zu
viel Geld in den Prozess gesteckt). Mittlerweile sind die
Gerichtsverfahren das eigentliche Geschäft von SCO.
Falls SCO gewinnt, wollen Sie eine Linux-Lizenz einführen (ca. 2-20 $
pro Server). Bei freien Distributionen wie Debian geht das natürlich
nicht - Lösung unbekannt.
Insgeheim wird sogar bei SCO noch darauf gehofft, dass IBM SCO
einfach kauft - Problem gelöst.

Das Publikum bestand hauptsächlich aus Studenten (auch viele
Frauen!), mindestens 1/3 waren Informatiker und 80% von denen
Linuxer. Es gab 2-3 Personen, die Herr Blepp auch etwas härter
angegriffen haben, aber ansonsten war die Diskussion doch sehr
sachlich und interessant.

Die Einladung an die Uni Jena erfolgte, weil da einer eine
Habitilation über irgendwas mit Urheberrecht oder so schreibt, und
der war beim Verband der Software Industrie und hat Herr Blepp dort
kennengelernt.

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