08.02.2008 11:12
Der MIT-Börsenforscher Andrew Lo hat vor der Anfälligkeit der Finanzmärkte gegenüber globalen Kettenreaktionen gewarnt. Im Interview mit der Online-Ausgabe des Technologiemagazins Technology Review sagte der Direktor des Laboratory for Financial Engineering, Vorfälle wie der Skandal bei der französischen Bank Societe Generale, bei der der 31-jährige Händler Jerome Kerviel bis zu 7,2 Milliarden Dollar verzockt haben soll, könnten sich in Zukunft häufen: "Es ist einfach unmöglich, diese Dinge mit 100-prozentiger Sicherheit zu vermeiden." Lo, der in seinem Labor die Hintergründe kleinerer und größerer Abstürze an den Märkten untersucht, hält es nicht für unwahrscheinlich, dass die Rückabwicklung von Kerviels Geschäften Einfluss auf den Weltmarkt gehabt habe. "Wenn dieser Vorgang im Bereich einer Milliarde Dollar oder mehr lag, wäre es durchaus plausibel, dass dies einen globalen Aktienabverkauf startete – erst in Asien, dann in Europa, dann in den USA." Entsprechende Marktgerüchte hatte die Societe Generale bislang immer zurückgewiesen.
"Alle rennen zur gleichen Zeit zum Ausgang und es kommt zum Crash", meinte Lo. Der Forscher plädiert deshalb für die Einführung einer neuen Stelle in den USA, die ähnlich der Luftverkehrssicherheitsbehörde NTSB nach einem Absturz der Märkte ermitteln könnte, was die wahre Ursache war. Dies sei eines der Mittel gegen das "exponentielle Wachstum der Komplexität". "Die Behörde müsste dann jede Krise und jeden Crash genau analysieren und dann von der Öffentlichkeit einsehbare Berichte erstellen, die die wahre Natur dieser Ereignisse, ihre genauen Umstände und erste Vorschläge enthält, wie man so etwas in Zukunft verhindern kann." Das sei dann ähnlich wie die Arbeit der "Abstürzdetektive" der NTSB an einer Unglücksstelle. Die Marktteilnehmer könnten heute häufig das wahre Risiko ihrer Transaktionen nicht mehr abschätzen.
Das ganze Interview in Technology Review online:
(bsc)
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