09.04.2008 12:39
"Daten erzählen Geschichten", heißt es auf einer amerikanischen Webseite, die vorwiegend Daten präsentiert und damit für großen Ärger in Washington sorgt. Legistorm listet sämtliche Einkünfte und Reisen der Angestellten des Kongresses auf und veröffentlicht obendrein jene Einkünfte der Angestellten, die sie außerhalb ihrer Tätigkeiten für den Senat oder das Repräsentantenhaus bezogen haben. Vom Betreiber der Webseite wird die Veröffentlichung der Einkünfte damit begründet, dass die amerikanische Verfassung (erstes Amendment) das Recht dazu gewährt und man der Öffentlichkeit eine "neue Überprüfungsmöglichkeit gegen mögliche Korruption" in die Hand gebe.
Tatsächlich ist es dem Besucher der Webseite möglich, mit wenigen Mausklicks die Einkünfte eines Kongressangestellten, seine Reisen und deren Financiers und seine privaten Einkünfte abzufragen. Laut Rechtslage sind Kongress-Angestellte, deren Einnahmen 110.000 Dollar jährlich überschreiten, dazu verpflichtet, die Einkunftsquellen offenzulegen und damit etwaige Interessenskonflikte. Mit dem Argument, dass das entsprechende Gesetz vom Kongress selbst verabschiedet wurde, wehrt sich der Betreiber der Webseite nun gegen die Entrüstung, die sich an den Veröffentlichungen entzündet hat.
Nach Informationen der Zeitung "The Hill" sollen wütende hochrangige Angestellte bereits rechtliche Schritte in Betracht ziehen. Ein Angestellter soll die Veröffentlichungen der Webseite sogar für einen Einbruch in seinem Haus verantwortlich machen. Wie aus einem Bericht der Washington Post von heute hervorgeht, sind Hunderte von Angestellten des Repräsentantenhauses darüber verärgert und besorgt, dass sie die Veröffentlichungen dem Risiko des Identitätsdiebstahls aussetzen würden. So seien in einigen publizierten Dokumenten sehr persönliche Daten wie detaillierte Bankangaben von Familienmitgliedern, Details von Investmentpapieren, genaue Adressen oder die Sozialversicherungsnummer enthalten. Auf ein entsprechendes Warnschreiben eines Angstellten wurden tatsächlich 20 Fälle entdeckt, in denen solche sensiblen privaten Informationen veröffentlicht wurden. Der Betreiber der Webseite reagierte und entfernte sie von der Seite.
Die Gesetzgeber arbeiten nun daran, die Formulare für die Offenlegung der privaten Einnahmen zu verbessern. Indessen haben die Daten der Webseite schon zur Veröffentlichung einer kleinen Geschichte geführt: Die handelt von einem Gewehr, das sich der Referent des Abgeordneten John Murtha aus dem Budget einer Wahlkampfkampagne gekauft hat.
(tpa)
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