26.02.2008 09:42
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zählte im vergangenen Jahr 466 Hochqualifizierte aus Nicht-EU-Ländern, die sich in Deutschland niederlassen durften. Das sind laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung 10 Fälle mehr als im Jahr 2006. Niederlassen dürfen sich jene, die ein Jahresgehalt von mindestens 85.000 Euro nachweisen können.
Mit einer lediglich befristeten Arbeitserlaubnis kamen laut den Zahlen des Nürnberger Amtes, die der Zeitung nach eigenen Angaben vorliegen, 2007 rund 22.700 Menschen ins Land, fast ein Drittel weniger als im Vorjahr, als es noch 32.600 Menschen waren. Hier sind in der Regel Arbeitnehmer mit einer weiten Bandbreite an Qualifikationen zusammengefasst, die vom thailändischen Spezialitätenkoch bis hin zum Diplomingenieur reicht.
Lediglich bei den Selbstständigen gab es einen Anstieg auf niedrigem Niveau von 2370 im Jahr 2006 auf 2850 im vorigen Jahr. Bis zum vergangenen Sommer musste ein Selbstständiger eine Million Euro investieren und zehn Arbeitsplätze schaffen, um für mindestens drei Jahre bleiben zu dürfen. Die Regierung hatte diese Zahlen auf eine halbe Million Euro und fünf Arbeitsplätze herabgesetzt.
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, sagte laut dem Bericht, es sei wegen der guten Konjunktur eher ein Anstieg der Zuwanderung zu erwarten gewesen. Die Zahlen müssten als Warnsignal gesehen werden. Deutschland benötige dringend mehr qualifizierte Einwanderer. Zimmermann warf der Regierung Versagen bei der Zuwanderung vor. Sie habe "alles getan, um das Image eines reservierten Landes aufrechtzuerhalten".
Der viel beschworene Fachkräftemangel gilt in vielen Unternehmen angesichts der guten Wirtschaftslage als Wachstumsbremse. In Deutschland fehlen nach Einschätzung von Fachleuten rund 45.000 IT-Spezialisten. Die Wirtschaft fordert ein flexibleres Zuwanderungsrecht, um vor allem mehr IT-Spezialisten aus Ländern außerhalb der Europäischen Union ins Land holen zu können. Außerdem soll die derzeit geltende Gehaltsgrenze von 85.000 Euro jährlich für hochqualifizierte Zuwanderer deutlich gesenkt werden. Die große Koalition lehnte dies im vergangenen Jahr ab.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos wandte voriges Jahr ein: "Wenn wir jetzt alle Tore für Zuwanderung aufmachen würden, würden wir noch lange nicht das auf den Märkten finden, was wir speziell brauchen." Eine von seinem Ministerium in Auftrag gegebene DIW-Studie hatte ergeben, dass 2014 bis zu 95.000 Ingenieure und 135.000 Naturwissenschaftler fehlen könnten. Der Mangel an Fachkräften koste Deutschland 2007 mehr als 20 Milliarden Euro.
Der Wirtschaftsexperte der SPD-Fraktion im Bundestag, Rainer Wend, forderte nun laut Süddeutscher Zeitung eine Lockerung der gesetzlichen Anforderungen. Der Unionsfraktionsvize im Bundestag, Michael Meister, sagte demnach, es wanderten viel zu wenige Spitzenkräfte zu. "Damit können wir nicht dem Anspruch gerecht werden, Hochtechnologieland zu bleiben." Auch Meister plädierte dafür, über Lockerungen nachzudenken.
Zum Thema Ausbildung und Beruf beziehungsweise zu den gegenwärtigen Klagen vieler Branchen über Fachkräftemangel siehe auch:
Siehe auch:
(dpa) / (dpa)
/
(anw)
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