24.10.2008 19:32
Am Dienstag hat Microsoft im Kampf gegen raubkopierte Programme in China das Programm Windows Genuine Advantage Notifications eingesetzt – wenn auch auf ungewöhnliche Weise. Angekündigt hatte der Konzern bereits im August, dass mit einem Update des Betriebssystems XP das Programm mit installiert wird. Es lässt die Bildschirme von Nutzern, die ein illegal kopiertes Windows auf ihrem Computer haben, schwarz werden. Zwar lässt sich der schwarze Bildschirm wieder zum Verschwinden bringen, aber er wird jede Stunde erneut schwarz und es wird ein Hinweis auf der Taskleiste eingeblendet. Dasselbe Programm gibt es auch für Office.
Nach 45 Tagen sollen die "Erinnerungen" dann aufhören, das Programm lässt sich allerdings nach Angaben von Microsoft nicht deinstallieren. Man wolle nur die Benutzer warnen, aber nicht ihre Tätigkeit stören, hieß es in einer Mitteilung von Microsoft, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet. Auf 90 Prozent der chinesischen Computer sind Windows- oder Office-Programme installiert – in aller Regel handelt es sich um illegale Kopien. Erst vor kurzem hat Microsoft zur Bekämpfung der Raubkopien die Preise drastisch gesenkt, allerdings gibt es gefälschte Versionen natürlich noch weitaus billiger.
Aufgrund der Antipiraterie-Maßnahme kam es zu großer Kritik in China. Ein Anwalt hat eine Klage gegen Microsoft wegen des unberechtigten Zugriffs auf seinen Computer eingereicht und bezeichnete den Konzern als "größten Hacker". Auch die China Software Industry Association (CSIA) kritisiert die Maßnahme. In einer Umfrage stimmten zahlreiche Chinesen für einen Boykott von Microsoft-Produkten. Andere sagen, es werde Zeit, dass China selbst Programme entwickelt.
Microsoft versucht inzwischen die Wogen zu glätten und hat eine Mitteilung auf Sina.com veröffentlicht. Dort wird von "Missverständnissen" gesprochen. Die Nutzer könnten die Installation des Updates und damit von WGA ablehnen. Das Programm sammele keine persönliche Daten und beeinträchtige auch das normale Funktionieren der Computer nicht, wenn es den Bildschirm schwarz werden lässt. Wie viele Computerbenutzer in China davon betroffen sind, geht aus den Berichten in chinesischen Medien nicht hervor.
(fr)
Version zum Drucken | Per E-Mail versenden | Newsletter abonnieren
Permalink: http://heise.de/-213386
Mehr zum Thema Microsoft