24.06.2009 15:11
Im sechsten Jahr in Folge hat die Eclipse-Community wieder ein koordiniertes Eclipse-Paket ausgeliefert. Die aktuelle Zusammenstellung namens Galileo umfasst über 33 Eclipse-Projekte mit über 24 Millionen Codezeilen und ist somit das umfangreichste vorkonfigurierte Paket, das die Eclipse-Community bisher geschnürt hat: Über 380 Committer von 44 Organisationen haben zu der neuen Version beigetragen.
Die Entwicklungsumgebung Eclipse hat sich zu einem äußerst populären Open-Source-Projekt entwickelt. Als flexibler Software-Werkzeugkasten kann Eclipse Produkte unterschiedlicher Hersteller als Plug-ins integrieren, etwa für Modellierung, Entwicklung und Softwaretests; schon seit einiger Zeit ist Eclipse nicht mehr nur auf Java begrenzt. Die hinter der Entwicklungsumgebung stehende Eclipse Foundation hat sich zu einem einflussreichen Konsortium entwickelt: Im November 2001 hatte IBM den Quellcode einer Entwicklungsumgebung in die neu gegründete Open-Source-Community Eclipse.org eingebracht; IBM dominierte das Geschehen dann lange, bis 2004 die Foundation als eigenständige und unabhängige gemeinnützige Gesellschaft zur Weiterentwicklung der gleichnamigen Plattform gegründet wurde.
"Viele deutsche Committer und deutsche Softwarehäuser wie compeople, EclipseSource, itemis, Prosyst, SAP und Sopera haben eine Schlüsselrolle bei der aktuellen Galileo-Release gespielt", betont Mike Milinkovich, leitender Direktor der Eclipse Foundation. "Ihre Beiträge zur Eclipse-Gemeinschaft zeigen meiner Meinung nach, dass Deutschland im Open-Source-Bereich führend ist."
Jedes Jahr im Juni erscheint eine koordinierte Eclipse-Version, die bislang den Namen eines der Jupiter-Monde oder – im Fall von Galileo – den Namen des Entdeckers der Jupiter-Monde Kallisto, Europa, Ganymede und Io trug (die nächste Release weicht hiervon erstmals ab und soll unter dem Namen Helios laufen). Eine koordinierte Version bündelt die Plug-ins von vielen unterschiedlichen Eclipse-Projekten und schafft eine gut aufeinander abgestimmte Sammlung von Eclipse-Modulen. Die koordinierten Eclipse-Versionen ersparen damit vielen Entwickler die in der Praxis oftmals aufwendige Konfiguration unterschiedlicher Eclipse-Module.
Die Überarbeitungen von Eclipse 3.5 offenbaren sich vor allem im Detail. So beherrscht der Texteditor einen Markierungsmodus, der nicht nur wie gewohnt eine horizontale Textauswahl zulässt, sondern auch Blöcke vertikal markieren kann. Auch die Programmierhilfe haben die Eclipse-Entwickler angepasst. Legt man ein neues Objekt an, bietet der Texteditor alle passenden Konstruktoren an. Ist die zum Konstruktor passende Klasse noch nicht importiert, erledigt das die Programmierhilfe automatisch.
Der Debugger wurde um sogenannte Breadcrumbs (Brotkrümel) erweitert. Sie lassen sich dann automatisch aktivieren, wenn man die Debugging-Ansicht so verkleinert, dass sie nur mehr eine Zeile des Debugging-Kontexts zeigt. Die Breadcrumbs erlauben trotzdem den Zugriff auf alle notwendigen Informationen, helfen, die Übersicht zu behalten, und sparen Platz. Neu ist auch der unter anderem von SAP eingebrachte Memory Analyzer, der gestattet, den Speicherverbrauch von Java-Programmen besser zu analysieren. Eine weitere Neuerung betrifft Eclipse Equinox, die Implementierung des OSGi-Kompontenstandards der Eclipse-Community. Sie unterstützt nun den OSGi-Standard 4.2.
Für Mac- OS-Entwickler gibt es mehr als nur Detailverbesserungen: Das SWT-Framework, auf dem die Oberfläche der Mac-Version der Eclipse-Plattform basiert, ist bei dieser Version von der antiquierten Mac-Programmierschnittstelle Carbon auf die moderne Cocoa-Schnittstelle (32 und 64 Bit) gehoben worden. Das neue Eclipse-Release Galileo bringt somit nicht nur Detailüberarbeitungen. Mit der Portierung nach Cocoa ist es der Eclipse-Community wieder gelungen, einen wichtigen Meilenstein zu erreichen. (Bernhard Steppan) /
(ane/iX)
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