09.01.2010 12:59
Das Imperium schlägt zurück
Gary Shapiro, Präsident und CEO der Consumer Electronics Association (CEA) leitete die heutige Keynote mit den Worten ein, noch nie habe ein chinesischer Unternehmer eine Keynote auf der CES gehalten. Der Chairman des chinesischen Elektronikkonzerns Hisense, Zhou Houjian, habe also eine Vorreiterrolle. Houjian setzte noch eins drauf und erklärte, es sei für ihn auch noch aus einem anderen Grund eine Premiere: Er haben noch nie eine Rede auf Englisch gehalten.
Hisenses Chairman Zhou Houjian beeindruckte das Plenum mit ehrgeizigen Ansagen.
Das wars dann aber auch schon mit dem Parlieren – Houjian machte schnell deutlich, dass sich chinesische Unternehmer hohe Ziele stecken: Er wolle beispielsweise Weltmarktführer bei den Flachbildfernsehern werden. Diese Position hält derzeit Samsung inne. Angesichts des immensen Wachstums von durchschnittlich fas 20 Prozent pro Jahr werde der chinesische Markt künftig der wichtigste Handelsmarkt überhaupt werden. Deshalb hat Hisense bereits im Jahr 2007 eine Fabrik für LCD-TV-Module in China eröffnet – als erstes chinesisches Unternehmen.
Außerdem müsse man das Qualitätsbewusstsein stärken. Ziel sei es, eine Marke wie beispielsweise "Made in Germany" zu erschaffen – nur eben "in China". Dafür müsse sich China im Elektronikbereich vom reinen Auftragsfertiger zum Wertschöpfer wandeln, forderte der Hisense-Chef. Wohl nicht zuletzt deshalb arbeiten in Hisenses Forschungszentrum in Qingdao über 2000 Forscher. Und deshalb sei er selbst beispielsweise aktiv in der internationalen Standardisierung tätig und begleite federführend die Entwicklung des Displaystandards IEC/TC10 hinsichtlich LED-Backlight.
Hisense mit Hauptsitz in Qingdao erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 8 Milliarden US-Dollar – nach nur 50 Millionen US-Dollar im Jahr 2004. Das immense Wachstum in China lässt sich auch an den Verkaufszahlen für Flachbildfernseher ablesen: Laut Houjian sind 2009 mit 25 Millionen Geräten fast doppelt so viele LCD-TVs in China verkauft worden wie im Jahr zuvor. Bis 2011 erwartet der Hisense-Chef eine weitere deutliche Steigerung auf 35 Millionen TVs. Das Unternehmen ist seit 2004 Marktführer bei Flachbildfernsehern in China, gefolgt von den chinesischen Gruppen Skyworth und TCL.
Neben Unterhaltungselektronik stellt Hisense auch IT- und TK-Geräte sowie Haushaltswaren, aber auch Glasfaserkabel her. Auch hat das Unternehmen die Überwachungssysteme für Olympia entwickelt. Anhand einer Statistik zeigte Houjian auf, wie sehr die bislang so dominanten koreanischen Displayhersteller Samsung und LG an Einfluss respektive Marktanteilen in China verloren. Die Strategie der chinesischen Unternehmer wie Houjian scheint also aufzugehen.
(uk)