Der von vielen offenbar heiß ersehnte Aldi-PC ist seit gestern in Sachsen erhältlich, seit heute in Norddeutschland und kommt morgen in die Filialen der Aldi-Südkette. Leider wollte Aldi vorab kein Testexemplar zur Verfügung stellen; die c't-Redaktion musste sich deshalb selbst ein Gerät beschaffen, was aber wegen des nicht allzu großen Andrangs kein Problem aufwarf. Für 2598 Mark erhält man ein System im schicken Midi-Tower-Gehäuse mit 200-Watt-ATX-Netzteil, das auch an der Frontseite zwei USB-Buchsen hat. Im Inneren findet sich eine Micro-ATX-Mainboard mit drei PCI-Steckplätzen, von denen einer mit einem Softmodem der Firma
Creatix belegt ist.
Das Sockel-370-Mainboard namens "Medion2001" in der Rev. 1.01. stammt von Asus und ist offenbar eine nicht-handelsübliche OEM-Ausführung des
CUV4X-M. Es ist bestückt mit dem VIA-Chipsatz Apollo Pro133A und unterstützt PC133-Speicher sowie den AGP-4X-Modus. Im Prozessorsockel sitzt ein
900-MHz-Pentium-III-Prozessor, der mit 100 MHz FSB-Taktfrequenz läuft und das aktuelle Stepping 686 meldet.
Die Platine bietet zwei Steckplätze für Speichermodule, von denen einer mit einem 128-MByte-PC133-Speicherriegel bestückt ist. Der Speicher läuft mit 133 MHz Taktfrequenz und mit den Timingparametern 3-3-3. Die Geschwindigkeit des aus acht 128-MBit-Micron-Chips des Typs
MT48LC16M8A2-75 aufgebauten DIMMs wird damit optimal ausgereizt; schneller geht's mit diesem Speichertyp nicht.
Im AGP-Slot steckt eine von Asus fabrizierte und der
AGP-V7100 /T ähnliche Grafikkarte mit GeForce-2-MX-Grafikprozessor und 32 MByte SDRAM. Sie bietet sowohl eine Cinch-Buchse sowie eine S-Video-Buchse zum Anschluss an einen Fernseher; ein Anschlusskabel sucht man allerdings vergeblich. In c't 23/00 auf Seite 140 finden sich Hinweise zum Selbstbau eines solchen Kabels.
Die Seagate-Festplatte
ST340823A fasst 40 GByte und rotiert mit 5400 Umdrehungen pro Minute. Dieses Modell zeigte im c't-Test in Heft 22/00 (Seite 232) durchschnittliche Leistungen. Das DVD-Laufwerk schafft 12X-Geschwindigkeit und kommt von
Lite-On. Festplatte und DVD laufen im UDMA-Modus am ersten Kanal des Onboard-EIDE-Hostadapters.
Ein CD-Writer-Plus von Hewlett-Packard kann CD-ROMS mit 32-facher Geschwindigkeit lesen, CD-R- und CD-RW-Disks mit 4X-Speed beschreiben (4X/4X/32X) und läuft am zweiten EIDE-Kanal im PIO-Modus. Der genaue Typ des CD-Brenners ist unklar, es scheint sich gleichfalls um ein OEM-Modell zu handeln. Die HP-Original-Typen der
8100-er und 8200-er Serie beherrschen die Modi 4X/4X/24X, die 9200-er-Serie schafft 4X/8X/32X. Der eingebaute Brenner gehört jedenfalls nicht zur aktuellen Gerätegeneration – heute sind deutlich schnellere Laufwerke üblich.
Als Soundchip kommt der CT5880 zum Einsatz, der auch auf den
Soundblaster-PCI128-Soundkarten von Creative Labs zu finden ist. Als Soundanschlüsse stehen ein Stereoausgang sowie ein Mikrofon- und ein Line-In-Eingang auf der rückseitigen ATX-Blende zur Verfügung. Surround-Sound ist mit dieser Ausstattung nicht möglich.
Für Treiber- und BIOS-Updates ist man bei einigen Komponenten auf den Support von
Medion angewiesen; das Mainboard etwa wird auf dem Asus-Server nicht aufgeführt. Wer andere Betriebssysteme als das vorinstallierte Windows 98 ME installieren möchte, muss insbesondere beim eingebauten Modem vorsichtig sein. Es scheint sich dabei um das
Creatix HAM zu handeln, das als Softmodem auf spezielle Treiber angewiesen ist. Für Linux sind diese noch nicht verfügbar; eventuell wird man außer bei Creatix oder Medion auch bei
Intel fündig. Intel hat Ambient, den Entwickler des Modemchips, kürzlich aufgekauft.
Das Betriebssystem wird auf einer Recovery-CD mitgeliefert; damit lässt sich im Falle eines Falles nur der Originalzustand des Systems wiederherstellen, wobei alle bis dahin eingegebenen Daten verloren gehen. Es empfiehlt sich also der regelmäßige Einsatz des CD-Brenners für Backups, wozu sich die beigelegte Brennsoftware Nero Burning ROM OEM V 5.0 anbietet. Zu den weiteren Softwarebeigaben zählt unter anderem die Microsoft Works Suite 2000 inklusive Word 2000. Auch eine Video-DVD liegt bei, es ist der Film "Aus der Mitte entspringt ein Fluss" aus dem Jahre 1992. Als Abspielsoftware dient Cyberlinks Power DVD in der Version 2.55. Zur Faxkommunikation kann man das BitWare-Programm in Version 3.30 benutzen.
Zwar lief die Grafikkarte nur im AGP-2X-Modus, doch wirkt sich das in der Praxis nicht nachteilig aus. Der installierte Treiber baut auf Nvidias Detonator 2 in der Version 5.32 auf. Nvidia liefert zurzeit deutlich
aktuellere Treiber.
Die Softwarekonfiguration des Systems kann man nur als sorgfältig bezeichnen, alle wichtigen Softwarebeilagen sind eingerichtet. Auch das deutschsprachige und ausführliche Handbuch verdient ein Lob. Support für den Aldi-PC leistet Medion, die Hotline-Anschrift ist deutlich vermerkt.
| Aldi "Multimedia-Internet Design-PC" |
| BAPCo SYSMark 2000 |
145 |
| 3DMark2000 |
4995 |
| 3DMark2000, CPU-Wert |
342 |
| 3DMark2000, Helicopter "High" |
35,2 fps |
| 3DMark2000, Helicopter "Low" |
118,9 fps |
| Quake 3, "Fastest" |
113,9 fps |
| Quake 3, "High Quality" |
65,2 fps |
| Unreal Tournament "utbench" |
36,6 fps |
| BACPCo SYSMark gemessen bei 1024×768×32, 3DMark2000 bei 800×600×16 ohne Hardware-T&L |
Die Testergebnisse sind für ein System dieser Preislage gut. Die DVD-Wiedergabe lief ruckelfrei. Im Vergleich zu den in den c't-Ausgaben 23/00 und 24/00 geprüften Komplettrechnern schlägt sich der Aldi-PC damit sehr gut, kostet aber inklusive Monitor und Boxen auch etwas mehr.
Lautstärkemessungen waren in der Kürze der Zeit nicht möglich, dem Eindruck nach läuft unser Rechner recht leise. Das Gehäuseinnere wirkt aufgeräumt und sauber bestückt. Allerdings bietet der kompakte und gut ausgestattete Rechner nur wenige Aufrüstmöglichkeiten – lediglich zwei PCI-Slots und ein DIMM-Steckplatz sind frei. Da auch drei Anschlüsse des Ultra-ATA/66-EIDE-Hostadapters bereits belegt sind, kann man nur noch ein einziges weiteres Laufwerk in den freien 3,5-Zoll-Schacht einbauen.
Wer die 2600 Mark entbehren kann, alle eingebauten Komponenten braucht und sowieso in dieser Preisklasse einkaufen wollte, fährt mit dem Aldi-PC sicherlich nicht schlecht. Die Leistungen des Gerätes bei Anwendungssoftware sind ordentlich, was man von einem 900-MHz-System auch erwarten darf. Fans von 3D-Spielen dürften mit der Leistung ebenfalls auskommen und können die eingebaute Grafikkarte bei Bedarf später tauschen.
Doch so ganz klar wird die Zielgruppe dieses Aldi-PC nicht – Einsteiger, die im Internet surfen oder nur Textverarbeitung und Homebanking betreiben wollen, kommen mit einem preiswerteren Rechner, etwa mit 700-MHz-Duron-CPU von AMD, günstiger weg. Power-User wünschen sich sicherlich einen Rechner, der besser aufrüstbar ist und wegen der leichter verfügbaren BIOS-Updates mit einem Standard-Mainboard ausgerüstet ist. Mit Netzwerkkarte und Vierkanal-Soundkarte ist der Aldi-PC restlos voll.
Es steht zu erwarten, dass auch andere Discounter in der Vorweihnachtszeit ähnliche und womöglich attraktivere Angebote bescheren.