12.08.2008 09:20
Bislang wurden populäre "Microblogging"-Anwendungen wie Twitter stets auf geschlossenen Plattformen betrieben. Seit Juli ist nun erstmals ein Open-Source-Konkurrent für den Web 2.0-Kommunikationsdienst verfügbar, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Identi.ca genannt, wird er vom kanadischen Start-up Control Yourself aus Montreal betrieben, das dabei wiederum auf die Open-Source-Lösung Laconica setzt.
Chancen werden Identi.ca auch deshalb eingeräumt, weil Twitter seit Monaten mit Ausfällen seiner Technik kämpft, dafür in der Blog-Szene bereits berühmt ist. Twitters Techniker versuchen zwar, die Probleme in den Griff zu bekommen, denn inzwischen stehen der Firma Risikokapitalinvestitionen in Höhe von rund 20 Millionen Dollar zur Verfügung. Wirklich zu funktionieren scheint das allerdings noch nicht. Der freie Konkurrent ist deshalb dezentral aufgebaut: Jeder kann einen eigenen identi.ca-Server aufsetzen, der dann wiederum mit allen anderen bereits bestehenden vernetzt wird, um eine Kommunikation untereinander zu ermöglichen.
Der Microblogging-Trend, bei dem Nutzer ihre aktuelle Stimmungslage mit Hilfe kurzer Informationshäppchen in Texform an ein Netzwerk von Freunden weitergehen, findet immer mehr Anhänger. Laut der Twitter-Statistikseite "TwitDir" besitzen inzwischen über zwei Millionen Nutzer aus der ganzen Welt einen Twitter-Zugang. Evan Prodromou, Gründer von Identi.ca, sieht Twitter inzwischen als eigene Kommunikationsform wie E-Mails, Weblogs oder Podcasts. "Ich begann damit, persönlich von Twitter als Kommunikationsmedium abhängig zu werden." Ihm sei dann aber klar geworden, dass der Dienst nicht so funktioniere, wie das im Internet eigentlich sein sollte. "Wenn eine Firma ein Kommunikationsmedium ganz für sich allein kontrolliert, wird das schnell schwierig. Das lässt sich im Web schwerlich auf Dauer aufrechterhalten." Deshalb sei es notwendig, eine freie Variante solcher Dienste zu schaffen, eben in Form einer Open-Source-Software.
Identi.ca begann als abgespeckte Version von Twitter und enthielt nur die grundlegendsten Funktionen. In den ersten zwei Wochen nach dem Start des Projekts hatte sich jedoch bereits eine kleine Entwicklergemeinschaft gebildet, die diverse Funktionen ergänzte. Der Dienst soll laut Prodromou den Kern eines neuen Microblogging-Standards namens "OpenMicroBlogging" bilden, dem sich auch andere Anbieter anschließen können.
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(bsc)
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