03.11.2008 16:57
Nach Ansicht des NAV-Virchow-Bundes der niedergelassenen Ärzte Deutschland müssen die Krankenkassen im Jahr 2009 für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte 660 Millionen Euro aus dem Gesundheitsfonds einplanen. Der Millionenregen aus Fonds-Mitteln soll angeblich die Einführung der Gesundheitskarte beschleunigen.
Klaus Bittmann, Vorsitzender des größten deutschen Verbandes niedergelassener Ärzte, forderte die Kassen auf, die Mittel lieber in die medizinische Ausstattung unterversorgter Gebiete zu investieren. Ein chaotisches Projektmanagement und eine unausgegorene Technik werde weiter gefördert, beklagt der Verbandsvorsitzende. Er hält weiterhin für skandalös, dass der Etat der Projektgesellschaft Gematik 2009 auf 85 Millionen steigen soll. (2008: 70 Millionen, 2007: 40 Millionen).
Unterdessen rückt der Termin für die Einführung der Gesundheitskarte weit in das Jahr 2009 hinein. Bisher gehegte Pläne, den Start des Karten-Rollouts im November auf der Medizinmesse Medica zu verkünden, sind längst Makulatur: nach wie vor gibt es nicht genug Lesegeräte am Markt, um den Durchschnittspreis zu ermitteln, aus dem sich die Unkostenpauschale ergibt, die an alle Ärzte und Zahnärzte gezahlt werden soll.
Dennoch will die Gematik auf der am 19.November startenden Medica neue Entwicklungen zeigen. Nach Informationen der Ärztezeitung soll erstmals demonstriert werden, wie ein elektronisches Rezept "verteilt" bearbeitet wird: Die Sprechstundenhilfe bereitet das Rezept am Empfang vor, das der Arzt in seinem Behandlungszimmer nur noch zu signieren braucht, damit es auf die Gesundheitskarte des Patienten geschrieben werden kann.
Zur weiteren Akzeptanzförderung der neuen Karte durch die Patienten soll außerdem demonstriert werden, wie die Arzneimitteltherapiesicherheitsprüfung (AMTS) funktioniert. Dafür muss ein Arbeitsplatz mit einem Barcode-Scanner ausgerüstet werden, mit dem alle mitgebrachten Medikamentenschachteln des Patienten eingelesen und ausgewertet werden. So schließt sich gewissermaßen ein Kreis: die ersten Arbeiten an der Gesundheitskarte begannen nach dem Lipobay-Skandal im Jahre 2001. (Detlef Borchers) / (Detlef Borchers)
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(vbr)
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