27.11.2009 12:19
Die offenbar erste deutsche Live-3D-TV-Sportübertragung ist am Donnerstagabend in Hamburg erfolgreich über die Bühne gegangen. Im Auditorium des Gruner+Jahr-Verlags gab es räumliche Bilder eines Sparringkampfes des Universum-Boxstalls zu sehen – ganz ohne großes Brimborium, typisch hanseatisch. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Veranstaltung "newTV in 3D" statt, die von der Initiative "Hamburg@Work" organisiert wurde. Auch heise online war dabei.
Jürgen Schaum, Geschäftsführer von Chroma Film & TV und mitverantwortlich für die Technik, zeigt wie's geht mit dem 3D.
Bild: Carsten Schulz
Die rund 50 3D-bebrillten Zuschauer sahen vor dem Boxkampf ein Interview des ZDF-Sportkommentators Günter-Peter Ploog mit Universum-Geschäftsführer Stefan Braune. Zwar wurden Kampf und Interview live aus dem Büro des Boxstalls zum Gruner+Jahr-Gebäude am Baumwall gestreamt, wirklich in Echtzeit lief aber nur das Interview. Der Boxkampf zwischen Arthur Martern und Petr Kovacevic wurde am Mittwoch aufgezeichnet. Dies hatte laut Angaben der Techniker ganz profane Gründe: Der Upstream der DSL-Leitung in der Boxhalle war zu gering für volle HD-Auflösung. Aus dem Universum-Büro konnten die verantwortlichen Techniker von Syrinx Productions 8 MBit/s ins Netz drücken – laut Aussage von Syrinx-Geschäftsführer Jürgen Klimmeck sei das völlig ausreichend für ordentliche Qualität, zeitweise wurde sogar auf 5 MBit/s gedrosselt. Tatsächlich war die Bildqualität ansehnlich, erst als die Bitrate gedrosselt wurde, waren Kompressionsartefakte zu sehen. Ins Netz schickten die Techniker von Syrinx und Chroma Film & TV einen mit VC-1 komprimierten Videostrom mit 25 Bildern pro Sekunde in einer Auflösung von 3840 × 1080. Im Video steckten zwei Full-HD-Streams nebeneinander – einer für jedes Auge. Die Übertragung bekamen die Zuschauer auf vier zeilenweise polarisierten 46-Zoll-Displays von JVC und Hyundai zu sehen.
Als Kameras kamen zwei Sony F23 zum Einsatz, die in einem Spiegel-Rig verbaut waren. Obwohl man im Vorfeld mit einem Mehr-Kamera-Aufbau liebäugelte, beschied man sich am Ende mit einem Kamerapaar, das auf einem Dolly montiert war. Als 2D-Übertragung hätte das womöglich statisch gewirkt, doch in 3D war das Gegenteil der Fall: Die Reduzierung auf ein Kamerapaar führte beim Zuschauer zu einem beeindruckenden "Ich-stehe-direkt-am-Ring"-Gefühl.
Feierabendbier: Jürgen Klimmeck, Geschäftsführer von Syrinx Productions, war fürs Streaming verantwortlich.
Bild: heise online
Die Hamburger Veranstaltung reiht sich ein in eine Reihe von stereoskopischen TV-Experimenten: Angefangen mit dem schwarzweißen NDR-Zweiteiler "Wenn die Fernsehbilder plastisch werden" von 1982, über die aktuellen amerikanischen und europäischen 3D-Übertragungen in Kinos und Sportstadien bis hin zu der 3D-HDTV-Satelliten-Übertragung als Abschlussarbeit von Jens Fischer an der Stuttgarter Hochschule der Medien Anfang des Jahres – es passiert etwas, erfreulicherweise nicht nur jenseits des Atlantiks.
Wann die ersten TV-Sender jedoch tatsächlich stereoskopische Bilder in die Wohnzimmer liefern, steht noch in den Sternen (auch wenn der britische PayTV-Sender Sky angeblich bereits mit einem eigenen 3D-Sender in den Startlöchern steht). Panasonic und Sony haben zwar bereits für nächstes Jahr 3D-Fernseher angekündigt – in den USA sind zudem bereits jetzt 3D-Rückprojektionsfernseher erhältlich --, doch diese werden vermutlich erst einmal für 3D-Konserven von der Blu-ray Disc oder für Videospiele verwendet. Man munkelt jedoch bereits über eine mögliche 3D-Übertragung der Olympischen Sommerspiele 2012. Und: Angeblich hat ein großer deutscher IPTV-Betreiber großes Interesse an der 3D-Übertragung von Sport-Events – zum Beispiel von Boxkämpfen.
(jkj)
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