08.06.2009 19:11
In Hannover haben sich Experten am heutigen Montag zum Thema "Abhängigkeits- und Suchtpotenzial von Computerspielen" ausgetauscht. An der Veranstaltung, zu der Niedersachsens Sozial- und Familienministerin Mechthild Ross-Luttmann sowie das nordrhein-westfälische Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration eingeladen hatten, nahm unter anderem der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), Christian Pfeiffer, teil. Dessen Forderung, Altersfreigaben von Computerspielen auch von deren Suchtpotenzial abhängig zu machen, wurde laut einer dpa-Meldung allgemein kritisch aufgenommen. Aufgrund fehlender Kriterien sei dies "derzeit nicht leistbar", heißt es in dem Bericht.
"Die Studienlage in Deutschland ist sehr dürftig", erklärte Rainer Thomasius vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Welche genauen Folgen die exzessive Nutzung von Computerspielen wirklich habe, sei noch unklar. Sozialministerin Ross-Luttmann verdeutlichte unterdessen, dass es wichtig sei, "den Konsum von nicht für Minderjährige freigegebenen Spielen und Videos durch Kinder und Jugendliche wirksam zu erschweren und auch tatsächlich einzudämmen". Dazu gehöre auch, "dass es bei Online-Spielen zukünftig eine Alterskennzeichnung durch die Länder gibt", ergänzte Klaus Schäfer, Abteilungsleiter im nordrhein-westfälischen Familienministerium.
Ministerin Ross-Luttmann hatte Anfang des Jahres im Landkreis Gifhorn erste verdeckte Testkäufe durchführen lassen, um herauszufinden, ob Spiele ohne Jugendfreigabe an Minderjährige abgegeben werden. Hieß es damals, es sei erschreckend, wie leicht Kinder und Jugendliche an solche Spiele kämen, gab es heute auch Lob. Die ertappten Verkaufsstellen würden sich durchaus einsichtig zeigen und hätten beispielsweise besondere Personalschulungen ankündigt. Altersgrenzen zu ignorieren sei kein Kavaliersdelikt, warnte Ross-Luttmann erneut, das Bewusstsein dafür müsse auch an der Ladentheke gestärkt werden. In erster Linie sieht sie aber die Eltern in der Pflicht: "Die schärfsten Gesetze der Welt sind nutzlos, wenn Eltern nicht wissen, was in Kinder- und Jugendzimmern abgeht und was in ihren Kindern vorgeht", sagte die Ministerin.
(pmz)
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