23.10.2008 09:45
Seit dem Beginn des US-Feldzuges im Irak kehren immer mehr Soldaten mit einer ganz bestimmten Kriegsverletzung in die Heimat zurück: Hirntraumata, die bei der Explosion von Autobomben und anderen unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtungen (so genannten IEDs) entstehen. Dank stetig verbesserter Panzerung überleben zwar immer mehr Armeeangehörige solche Anschläge, doch die davongetragenen Schäden können nach wie vor schwerwiegende Auswirkungen haben.
Um solche komplexen Gehirnverletzungen besser zu verstehen, hat die US-Militärforschungsbehörde DARPA einen mit fünf Millionen Dollar dotierten Forschungsauftrag an das Palo Alto Research Center (PARC) in Kalifornien vergeben. Dort soll in den nächsten drei Jahren ein Sensorstreifen aus Kunststoff entwickelt werden, der sich an die Helme aller im Einsatz befindlicher Soldaten kleben lässt, um bei einer Explosion die wirkenden Kräfte zu messen, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Der Streifen, der weniger als einen Dollar pro Stück kosten soll, besteht aus einem flexiblen Kunststoffsubstrat. Er speichert sieben Tage lang alle Informationen und wird nach Gebrauch einfach durch ein frisches Modell ersetzt.
Der Streifen, der aus organischen Halbleitern besteht, benötigt eine Fläche, die nicht größer als ein Vier-Zoll-Standardverband ist. Die Sensoren auf dem Streifen beinhalten Geschwindigkeitsmesser, Messgeräte für Druck, Schall und Licht sowie ein Thermometer. "Niemand weiß bislang, welche Parameter-Kombination am besten dazu geeignet ist, die schwerwiegenden Gehirnverletzungen zu beschreiben, die bei einer IED-Explosion entstehen", sagt Jennifer Ricklin, Programmmanagerin beim Sensor Tape-Programm der DARPA.
Ein alarmierendes Problem sei, dass Soldaten, die sich von einer ersten Explosion noch nicht ganz erholt hätten, gleich einer weiteren ausgesetzt würden, meint Robert Cantu, Neurochirurg am Emerson Hospital und Professor für Neurochirurgie an der Boston University School of Medicine. "Das kann zu einem zweiten Einschlagssyndrom führen, dessen Sterblichkeitsrate bei 50 Prozent liegt." Auch seien permanente Gehirnerschütterungssymptome nicht selten, die sich nie wieder ganz zurückziehen – Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Depressionen oder Gedächtnis- und Konzentrationsschwäche.
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(bsc)
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