19.11.2009 08:34
Bis 2018 will eine internationale Staatengemeinschaft im südfranzösischen Caderache den ersten Tokamak-Fusionsreaktor bauen, der mehr Energie liefert, als hineingesteckt wird. Der Physiker Norbert Holtkamp, technischer Direktor des rund 12 Milliarden Dollar teuren ITER-Projektes, sprach im Interview mit Technology Review nun über noch offene technische Fragen, die Sicherheit des Reaktors und den Wettlauf mit dem Laserfusionsprojekt an der kalifornischen National Ignition Facility.
Zur Frage von Sinn und Unsinn der Fusionsforschung, die seit den Siebzigerjahren immer wieder mit unterschiedlicher Intensität betrieben wird, meinte Holtkamp, er sei schon von Berufswegen Optimist. ITER erlaube es, endlich eine klare Ja-Nein-Entscheidung zu treffen. "Wenn ITER funktioniert, dann sind die weiteren Schritte zur industriellen Nutzung der Fusionsenergie schon recht klar vorgezeichnet. Wenn ITER nicht funktioniert, dann ist das auch eine gute Antwort. Denn dann kann man den Tokamak als Technologie für Fusionskraftwerke klar abhaken." Allein das sei es wert, das Experiment durchzuführen.
Zuvor muss der ITER allerdings erst noch gebaut werden. Schon das ist eine große Aufgabe, auch weil das Projekt genau aufgeteilt ist: "Bei ITER baut jeder einen Teil des Motors, einen Reifen und einen Teil vom Chassis. Das ist nicht so, weil die Leute, die das geplant haben, dumm sind, sondern weil ITER ein Technologie-Entwicklungsprojekt ist. Um im Beispiel zu bleiben: Das Ziel ist, dass hinterher jeder der Beteiligten selbst ein Auto bauen kann."
Einen ausführlicher Artikel zum Stand der Fusionsforschung bringt Technology Review auch in der aktuellen Print-Ausgabe 12/09 – seit dem 19. 11. am Kiosk oder portokostenfrei online zu bestellen.
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