24.02.2009 12:36
Wertet man wissenschaftliche Veröffentlichungen mit derselben Methode aus, mit der Google die Trefferliste von Suchanfragen sortiert, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit künftige Nobelpreisträger finden, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 03/09 (seit dem 19. 2. am Kiosk oder portokostenfrei online zu bestellen).
Um die wissenschaftliche Bedeutung einer Publikation zu bewerten, ist die reine Häufigkeit von Zitierungen aus mehreren Gründen ein trügerisches Maß, wie die US-Wissenschaftler Sergei Maslov und Sidney Redner in einem Aufsatz für das Journal of Neuroscience gezeigt haben: Die Zitat-Charts unterscheiden nicht zwischen Verweisen aus obskuren Papieren und solchen aus grundlegenden Aufsätzen. Zwischen unterschiedlichen Disziplinen lässt sich die Zitierungshäufigkeit zudem nicht vergleichen – in der Biologie wird ein durchschnittliches Papier sechsmal zitiert, in der Mathematik weniger als einmal. Schließlich werden gerade grundlegende Veröffentlichungen oft seltener zitiert, weil das Forschungsgebiet noch klein ist.
Maslov und Redner haben deshalb einen anderen Maßstab entwickelt: Sie werteten wissenschaftliche Veröffentlichungen analog zu Googles „Page-Rank“-Verfahren aus: Die Methode gewichtet Verweise von häufig zitierten Artikeln stärker als solche von weniger oft zitierten. Nach dieser Methode nahmen sich Maslov und Redner mehr als 350.000 Physik-Artikel vor, die zwischen 1893 und 2003 veröffentlicht wurden. Das Ergebnis: Acht der zehn wichtigsten Beiträge stammten von späteren Nobelpreisträgern, ein weiterer vom Doktorvater eines Nobelpreisträgers. Die Aufsätze sind teilweise mehrere Jahrzehnte vor der Verleihung des Nobelpreises erschienen, sodass der spätere Ruhm durch die Auszeichnung kaum als Erklärung dienen kann. (Gregor Honsel) /
(Gregor Honsel)
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(wst)
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