02.04.2008 16:52
Das Blockschaltbild der Ausführungseinheiten ähnelt sehr dem Merom -- aber es gibt auch viele Unterschiede
Der Atom-Prozessor steht zwar erklärtermaßen im Mittelpunkt des Intel-Entwicklerforums, aber am ersten IDF-Tag gab Intel auch Details zu den anderen neuen Prozessorarchitekturen bekannt, vor allem zum Nachfolger der Merom/Penryn-Prozessoren mit Core-Architektur mit Codenamen Nehalem – einen offiziellen Namen gibt es noch nicht. Businesschef Pat Gelsinger hat zwar schon vorab einige Eckdaten der amerikanischen Presse verraten, jetzt kamen aber noch viele Feinheiten hinzu.
Ähnlichkeiten zu den Vorgängern sind dabei unverkennbar, dennoch gibt es wesentliche Unterschiede. Beim Nehalem ist es vor allem der Nicht-Kern-, also "Uncore"-Bereich, der den integrierten Speichercontroller für bis zu drei DDR3-Kanäle, die bis zu vier QuickPath-Links und den 8 MByte großen L3-Cache umfasst. All das gab es bei Merom gar nicht. Dieser Uncore-Bereich kann – wie bei AMD K10 – mit eigenem Takt und eigener Spannung betrieben werden, um Energie zu sparen.
Hyper-Threading kehrt zurück -- aber mit mehr Effizienz
Der Aufbau der Pipeline und das Blockschaltbild der Funktionseinheiten sehen auf den ersten Blick recht Merom-artig aus. Hier wie dort sind vier Decoder am Werk, die die übersetzten Mikrooperationen parallel in den Scheduler (Reservation Station, gemeinsam für alle Instruktionen) einspeisen. Von dort geht es wie gehabt über sechs Ports an die diversen Funktionseinheiten. Schaut man genauer hin, findet man dann doch zahlreiche Verbesserungen:
Benchmark-Ergebnisse zur Performance präsentierte Intel noch nicht, die Werte für die CPU2006 Suite der SPEC, insbesondere die der Gleitkomma-Suite, sollen aber "atemberaubend" sein. Darauf deutete bereits eine Präsentation hin, die im Februar auf einem Sun-Server aufgetaucht war.
[Update:] Prozessoren mit Nehalem-Innenleben sollen zunächst für Server und Workstations mit zwei Prozessorfassungen sowie für High-End-Desktop-Rechner mit einer CPU-Fassung erscheinen; mindestens eine dieser Produktvarianten steht noch 2008 zu erwarten. Das Nehalem-Derivat mit zwei QuickPath-Interconnects für DP-Server und Workstations soll Gainestown heißen, ist also Nachfolger des aktuellen Quad-Core-45-nm-Xeons Harpertown. Gainestown hat vier physische, dank Hyper-Threading also acht logische CPU-Kerne. Zusammen mit dem Chipsatz Tylersburg ergibt das die Plattform Thurley mit bis zu 16 logischen Kernen.
Der Single-Socket-Nehalem mit nur einem QPI-Anschluss, der also nur den Chipsatz und keinen weiteren Prozessor anbinden kann, soll Bloomfield heißen (4 physische Kerne). Auch hier kommt der Chipsatz Tylersburg zum Einsatz. Mit zwei Tylersburg-Bausteinen lassen sich wohl bis zu vier PCIe-2.0-Grafikkarten anbinden. Die Codenamen Gainestown, Tylersburg, Thurley und Bloomfield hat Intel offiziell bestätigt.
Später – also erst 2009 – sind dann Nehalem-Varianten für Desktop-Rechner eingeplant, hier munkelt man vom Vierkern Lynnfield (Vorgänger: Yorkfield) und vom Wolfdale-Nachfolger Havendale, der zwei physische CPU-Kerne und eine GPU enthalten soll. Havendale und Lynnfield bringen jeweils auch einen PCIe-Port für PEG-Karten mit, aber keinen QPI-Link, sondern sie kommunzieren mit einem Platform oder System Controller Hub (PCH/SCH Ibexpeak) wie die bisherigen Chipsatz-Northbridges über das PCIe-ähnliche Direct Media Interface (DMI). Noch später dürfte die Nehalem-Mobilversion für Notebooks kommen, die Auburndale heißen könnte.
Im Bereich der Multi-Prozessor-(MP-)Xeons, wo im Laufe dieses Jahres der Hexa-Core Dunnington den aktuellen Tigerton (Xeon 7300) auf der Caneland-Plattform (Chipsatz: Clarksboro) ablösen soll, zieht Nehalem auch frühestens 2009 ein. Hier spricht Intel von der Plattform Stoutland; laut Berichten im Internet gehören dazu Prozessoren namens Beckton und Chipsätze namens Boxboro. Die Beckton-Nehalems dürften bis zu acht physische Kerne und vier QPI-Ports aufweisen, lassen sich also mit drei weiteren Prozessoren direkt verbinden. Diese Fähigkeit hatte Pat Gelsinger bereits im letzten Jahr angekündigt.
Mehr zum IDF Shanghai 2008:
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