28.03.2007 10:57
Mediziner forschen bereits seit 30 Jahren an Impfstoffen gegen Drogensucht. Jetzt geht es voran: Als Erstes dürften Mittel gegen Nikotin-Abhängigkeit auf den Markt kommen, berichtet das Magazin Technology Review in der aktuellen Ausgabe 04/07 (ab dem 29. März am Kiosk oder portokostenfrei online bestellbar).
Erste Studien mit einem Anti-Nikotin-Impfstoff geben Anlass zur Hoffnung: Jeder dritte Proband, der die höchste Dosis des Mittels erhalten hatte, gab unaufgefordert das Rauchen auf. In der Kontrollgruppe entschlossen sich nur neun Prozent zu diesem Schritt. Für April werden die Ergebnisse einer umfangreicheren Untersuchung mit 200 Patienten erwartet. Ebenso werten Forscher am Baylor College of Medicine in Houston derzeit eine Studie mit Kokain-Abhängigen aus. Auch hier zeigte sich bereits, dass die Probanden ihren Konsum verringerten.
Die neuen Mittel wirken genauso wie etwa Grippeimpfstoffe: Die Impfung regt das Immunsystem dazu an, Antikörper gegen den Fremdstoff zu produzieren, die sich an ihn heften. Dadurch kann er das Gehirn nicht erreichen, und das erhoffte Hochgefühl bleibt aus – die Einnahme des Stoffes verliert somit an Attraktivität. Damit dieses Prinzip auch bei den relativ kleinen Drogenmolekülen funktioniert, greifen die Wissenschaftler zu einem Trick: Sie verbinden die Zielmoleküle zunächst mit größeren Proteinen. Erst diese Konstrukte sind groß genug, um die gewünschte Immunantwort auszulösen.
Eine weitere Möglichkeit liegt in der so genannten passiven Immunisierung. Hier werden Antikörper im Körper eines Tieres produziert und nur die wirksamsten für die Verabreichung an Menschen ausgewählt. Das Biotech-Unternehmen Intervexion Therapeutics will im nächsten Jahr Tests mit einer solchen Passivimpfung gegen Phencyclidin ("Angel Dust") beginnen. Sein Gründer Michael Owens erhofft sich auf längere Sicht Rundumimpfungen gegen mehrere Drogen und auch die Möglichkeit, damit Überdosen zu behandeln.
(wst)
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