07.06.2005 15:29
Der Chipkonzern Infineon hat als wichtiger Zulieferer die Übernahme der Siemens-Handysparte durch BenQ begrüßt. "Die Planungssicherheit ist nicht nur gut für Siemens, sondern auch für Infineon", sagte Konzernchef Wolfgang Ziebart am Dienstag in München. BenQ übernehme als neuer "Global Player" auf dem Mobilfunkmarkt auch die Technologieplattform von Siemens, an der Infineon maßgeblich beteiligt sei.
Infineon macht in seiner Mobilfunksparte noch immer gut 30 Prozent des Geschäfts mit der Konzernmutter Siemens. Daher bekam Infineon die Absatzrückgänge bei Siemens-Handys empfindlich zu spüren. Da BenQ keine eigene Halbleitersparte hat, sieht Infineon laut Branchenkreisen gute Chancen für eine langfristige Zusammenarbeit. Unabhängig davon will der Konzern aber die Kundenpalette im Mobilfunkbereich weiter verbreitern, um nicht zu stark von einzelnen Abnehmern abhängig zu sein. Zuletzt wurde daher unter anderem das Geschäft mit Panasonic ausgebaut.
Die Arbeitnehmervertreter im Siemens-Aufsichtsrat beobachten dagegen ganz im Unterschied zum Infineon-Management den Verkauf der Handysparte mit Sorge. "Ich sehe das sehr kritisch", sagte IG-Metall-Vize und Siemens-Aufsichtsrat Berthold Huber am Dienstag der dpa. "Siemens katapultiert sich aus dem Handymarkt heraus." Noch im vergangenen Jahr habe der Konzern betont, wie wichtig es sei, in dem Wachstumsmarkt als Komplettanbieter vertreten zu sein. Nun gebe es einen radikalen Wechsel in der Geschäftspolitik. Die Arbeitnehmer stünden vor einer ungewissen Zukunft. Die Siemens-Handysparte beschäftigt gut 6000 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte davon in Deutschland.
Zwar steige BenQ als Übernehmer in alle vertraglichen Pflichten ein, sagte Huber. Der Fortbestand des Werks in Kamp-Lintfort sei damit vorerst gesichert. Wie es danach weitergehe, müsse aber abgewartet werden. "Ich hätte es lieber gesehen, wenn die Handysparte bei Siemens geblieben wäre." Die IG Metall wolle versuchen, in den Detailverhandlungen weitere Garantien für die Arbeitnehmer durchzusetzen. "Es ist ja noch etwas Zeit."
Huber sieht aber in dem Geschäft auch Chancen. BenQ sei ein aufstrebender Anbieter, der Bedarf an Produktionskapazitäten habe. "Das spricht für die Standorte in Europa." Zudem sei zu hoffen, dass BenQ mit dem Endkonsumentengeschäft besser zurechtkomme als Siemens. "Es bestand ja Handlungsbedarf." Die Siemens-Handysparte hatte allein in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2004/05 (30. September) einen Verlust von 280 Millionen Euro gemacht.
IG-Metall-Bezirksleiter Detlef Wenzel hat dem Siemens-Management zudem schwere Fehler vorgeworfen. "Siemens hat sich als Partner mit hoher Unzuverlässigkeit erwiesen", sagte er am Dienstag in Düsseldorf. Der Verlust von Marktanteilen im Handy-Geschäft gehe auf die Verunsicherung von Kunden und Partnern zurück. Der Verkauf der Handy-Sparte sei eine strategische Fehlentscheidung.
Zur Übernahme der Siemens-Handysparte durch den taiwanischen Konzern BenQ siehe auch:
(dpa) / (dpa)
/
(jk)
Version zum Drucken | Per E-Mail versenden | Newsletter abonnieren
Permalink: http://heise.de/-108075