Im Wettstreit mit AMD legt Intel jetzt nach und steigert die Taktfrequenz des Pentium 4 auf bis zu 2,8 GHz. Gleichzeitig sinkt der Preis des bisherigen Topmodells mit 2,53 GHz um 62 Prozent. Außerdem kommen mit dem Pentium 4 2,8 GHz, der mit der schnelleren FSB533-Schnittstelle arbeitet, die Ausführungen 2,66 GHz/FSB533, 2,60 GHz/FSB400 und 2,50 GHz/FSB400 auf den Markt.
Intel will mit den 2,6- und 2,8-GHz-Typen seinen Führungsanspruch bei den x86-Prozessoren demonstrieren; vor allem mit Rambus-Speicher erreichen die CPUs neue Rekordwerte. Der Pentium 4 2,8 GHz ist in Verbindung mit dem
i850E-Chipsatz und dem dafür seltsamerweise nicht validierten Speichertyp PC1066 für 1041 Punkte im renommierten Gleitkomma-Benchmark fp_base2000 der
SPEC-CPU2000-Suite gut; mit 1020 Punkten ist er in der Festkomma-Wertung int_base2000 sogar der schnellste bei der SPEC gelistete Prozessor.
Allerdings hängt die Arbeitsgeschwindigkeit des Pentium 4 außer von der optimalen Software (bei den SPEC-Benchmarks kommen die jeweils aktuellen Intel-Compiler zum Einsatz) erheblich vom Speichertyp ab; nur das zweikanalige PC1066-Interface des i850E-Chipsatzes erreicht mit insgesamt rund 4,3 GByte pro Sekunde die volle Datentransferleistung des FSB533-Front-Side-Bus. Mit PC800-RDRAM verliert der Pentium 4 2,80 GHz mehr als 10 Prozent beim SPECfp_2000 und 5 Prozent im SPECint_2000; mit Double-Data-Rate-Speicher nach PC2100-Standard (20-3-3-Timing) erreicht er lediglich 746 SPECfp_base2000 (minus 28 Prozent) und immerhin noch 919 SPECint_base2000 (minus 10 Prozent) -- Letzteres reicht aber immer noch für die aktuelle Tabellenspitze. Die SPEC-CPU2000-Ergebnisse des c't-Labors werden bis morgen unter
http://www.heise.de/ct/Redaktion/as/spec/ bereitgestellt.
Im Desktop-Benchmark BAPCO SYSmark 2002 liegt schon der Pentium 4 2,53 GHz deutlich vor dem
kürzlich erschienen AMD Athlon XP 2600+; diese
Messung geriet allerdings in die Kritik. Bei den meisten anderen Benchmarks liegen die Pentium-4-Versionen mit 2,66 und 2,8 GHz vor dem Athlon XP 2600+, wobei der Abstand bei identischer Speicherbestückung manchmal nicht sehr groß ist. Die Rendering-Software
PovRay berechnet in der Windows-Version 3.5 die Szene
optics.pov auf dem Athlon XP 2600+ immer noch minimal schneller als auf dem Intel Pentium 4 2,8 GHz. Es zeigt sich also, dass die Auswahl der Software größere Auswirkungen haben kann als der Einsatz eines bestimmten Prozessors. Überhaupt lassen sich manche leistungssteigernde Funktionen aktueller Prozessoren nur mit den neuesten Versionen von Anwendungsprogrammen und Betriebssystemen nutzen; ein Beispiel dafür sind auch die SSE-Befehlssatzerweiterungen des Athlon XP.
Benchmarks erlauben deshalb nur einen sehr eingeschränkten und wenig praxisrelevanten Vergleich der x86-Topmodelle von Intel und AMD; außer der reinen Rechenleistung, die für die meisten Anwendungen in jedem Falle mehr als ausreichend ist, sollte man die gesamte Systemkonfiguration und natürlich den Preis in eine Kaufentscheidung mit einbeziehen. Aber auch bei den Anschaffungskosten greift Intel nun AMD massiv an: Der 1000-Stück-OEM-Preis des Pentium 4 2,53 GHz liegt jetzt um 18 Prozent unter dem des AMD Athlon XP 2600+.
Die Intel-Preisliste zeigt damit eine ungewöhnliche Schieflage: Die 2,4-GHz-Ausführungen des Pentium 4 sind zurzeit fast 65 Prozent teurer als die 2,50- und 2,53-GHz-Versionen und kosten dasselbe wie die 2,60- und 2,66-GHz-Typen. Das deutet darauf hin, dass Intel in Kürze weitere Veränderungen der Preisliste vornehmen wird.
| Kerntakt |
alter Preis [US-Dollar] |
Preis seit 25.08.02 [US-Dollar] |
Nachlass [Prozent] |
| Pentium 4 (Northwood, 512 KByte L2, Sockel 478, FSB400 & 533) |
| 2,80 GHz FSB533 |
- |
508 |
- |
| 2,66 GHz FSB533 |
- |
401 |
- |
| 2,60 GHz FSB400 |
- |
401 |
- |
| 2,53 GHz FSB533 |
637 |
243 |
62 |
| 2,50 GHz FSB400 |
- |
243 |
- |
| 2,40 GHz (FSB533 & 400) |
400 |
400 |
- |
| 2,26 GHz FSB533 |
241 |
241 |
- |
| 2,20 GHz FSB400 |
241 |
241 |
- |
| 2,0A GHz FSB400 |
193 |
193 |
- |
| 1,80A GHz FSB400 |
k. A. |
k. A. |
- |
| Pentium 4 (Willamette, 256 KByte L2, Sockel 478, FSB400) |
| 1,80 GHz FSB400 |
163 |
163 |
- |
Im Vergleich zu den bisherigen Pentium-4-Modellen mit Northwood-Kern ist die Leistungsaufnahme bei den Ausführungen mit 2,60 GHz und darüber erheblich gestiegen; für die 2,8-GHz-Version spezifiziert Intel eine "Thermal Design Power" TDP von 68,4 Watt, das sind über 15 Prozent mehr als beim 2,53-GHz-Typ (59,3 Watt). Für den AMD Athlon XP 2600+ und den 2400+ weist das
Datenblatt eine "Typical Power" von 62 Watt aus; eine 1,60-Volt-Variante des mit 2,0 GHz laufenden XP 2400+ soll sich sogar mit 59,3 Watt begnügen.
Der höhere Leistungsbedarf der Pentium-4-CPUs rührt nicht nur von der gestiegenen Taktfrequenz her; Intels neue Northwoods arbeiten auch mit einer um 0,025 Volt auf nominell 1,525 Volt angehobenen Kernspannung. Weil die Spannungswandler auf Pentium-4-Platinen die Kernspannung in Abhängigkeit von der Stromaufnahme des Prozessors absenken müssen und der Northwood schon im Idle-Zustand um die 18 Ampere zieht, treten diese 1,525 Volt nie auf; deshalb spricht Intel von einer nominellen Kernspannung. Nach Firmenangaben sollen künftig auch einige der langsameren Pentium-4-Versionen mit dem neuen Northwood-Kern ausgeliefert werden, der 1,525 Volt Nominalspannung braucht; andererseits sollen wohl auch 2,6- und 2,66-GHz-Prozessoren mit dem Kern für 1,500 Volt auf den Markt kommen.
Einen detaillierten Vergleichstest des AMD Athlon XP 2600+ mit dem Intel Pentium 4 2,8 GHz bringt c't in
Ausgabe 18/2002 (seit dem heutigen Montag, den 26. August, im Handel) auf S. 24.