26.06.2008 11:29
Medienberichten zufolge soll sich der Chiphersteller Intel entschlossen haben, die firmeneigenen Rechner seiner rund 80.000 Mitarbeiter vorläufig nicht auf den XP-Nachfolger umzustellen. Dabei berufen sich Publikationen wie The Inquirer oder die New York Times auf "bestens" mit dem Unternehmen Intel vertraute Kreise. Der Entscheidung soll eine detaillierte Kosten-Nutzen-Analyse vorausgegangen sein. Damit steht Intel unterdessen nicht alleine, auch andere Großunternehmen wie der Automobilkonzern General Motors wollen lieber auf Windows 7 warten, das ab Januar 2010 verkauft werden soll.
Zwar nutze und teste Intel Vista in vereinzelten Abteilungen, ein unternehmensweiter Einsatz sei aber nicht vorgesehen. Provozierende Kommentatoren wollen darin bereits einen Bruch der Wintel-Allianz erkennen, die zuletzt noch bei der Vista capable-Kampagne gemeinsame Sache gemacht hatte – doch Gartner-Analyst David Smith relativiert Intels Entscheidung: Großunternehmen warten typischerweise mindestens bis zu einem Jahr nach Erscheinen einer neuen Windows-Version – erst dann seien in der Regel die gröbsten Fehler behoben und ein unternehmensweiter Rollout könne "gefahrlos" erfolgen.
Seit der Einführung von Vista sind inzwischen allerdings schon gut 18 Monate vergangenen, "jetzt sollte man verstärkte Aktivitäten in den Unternehmen bezüglich eines Umstiegs erkennen", räumt Smith ein, "aber es tut sich noch immer nicht viel." Nach Einschätzung der Marktforscher habe sich in der Vergangenheit gezeigt, das bis zu 30 Prozent der Geschäftskunden eine Windows-Version überspringen und erst auf die übernächste umsteigen. "Bei Vista wird dieser Anteil aber sicher höher ausfallen", erklärt Michael Silver, Analyst beim Marktforschungshaus Gartner, das mit Microsofts Windows-Strategie bereits hart ins Gericht gegangen ist.
Während sich die Verkaufszahlen von Vista im Einzelhandel im Vergleich deutlich schlechter entwickeln, als es bei Windows XP der Fall war, feiert Microsoft mittlerweile die Zahl von mehr als 140 Millionen weltweit installierter Vista-Kopien. Der Löwenanteil dieser Systeme entfällt indes auf PCs und Notebooks, die über den Online- und Einzelhandel an Endverbraucher verkauft wurden – und die seit nunmehr anderthalb Jahren standardmäßig mit Vista ausgestattet sind.
Auf Seiten der Geschäftskunden hält die Zurückhaltung im Hinblick auf den XP-Nachfolger jedoch weiter an. Obwohl Microsoft nun aber zum Monatsende auch den Verkauf von XP-Rechnern über OEM-Hersteller von PCs unterbinden will, haben bereits zahlreiche Anbieter verlauten lassen, dass sie ihren Kunden weiterhin XP-Systeme zur Verfügung stellen werden. Unter den XP-Anhängern findet sich nicht nur der weltgrößte Hersteller Hewlett-Packard, auch die deutsche Fachhandelsmarke Wortmann liefert künftig noch Rechner mit installiertem XP. Die Hersteller machen dabei vom Downgrade-Recht Gebrauch, dass Microsoft Kunden einräumt, die heute eine Vista-Business/Ultimate-Lizenz erwerben, aber vorläufig noch XP nutzen möchten.
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