Mit leichter
Verspätung stellt Intel heute Pentium-4-Versionen mit dem neuen Prescott-Kern vor, der in 90-Nanometer-Strukturen gefertigt wird. Die schnellste Version erreicht 3,4 GHz Taktfrequenz; mit einem nachgestellten "E" in der Produktbezeichung (Pentium 4 3,40E GHz) unterscheidet Intel dabei die Prescott-Version vom ebenfalls neuen Pentium 4 3,40 GHz mit dem
seit zwei Jahren gefertigten Northwood-Kern (130 Nanometer). Als Topmodell bringt Intel den fast 1000 US-Dollar teuren Pentium 4 3,40 GHz Extreme Edition heraus, der zusätzlich zu L1- und L2-Cache (512 KByte wie beim Northwood) noch einen 2 MByte großen L3-Cache bietet (
Gallatin-Kern der MP-Xeons).
Außer in einer 3,4-GHz-Version kommt der Prescott auch mit 3,2, 3,0 und 2,8 GHz, jeweils mit FSB800-Schnittstelle und im Sockel-478-Gehäuse. Auch eine 2,80A-GHz-Variante mit FSB533 und ohne
Hyper-Threading baut Intel, was zeigt, dass der trotz mehr als verdoppelter Transistorzahl stark verkleinerte Kern den Northwood auf breiter Basis verdrängen soll. Einen Teil der günstigeren Herstellungskosten gibt Intel mit deutlichen Preissenkungen an die Kunden weiter, der 3,2-GHz-Pentium-4 ist ab sofort um ein Drittel günstiger.
Obwohl Intel beim Prescott den L1-Daten-Cache und den L2-Cache im Vergleich zum Northwood verdoppelte (auf 16 beziehungsweise 1024 KByte), läuft der neue Prozessor in vielen Anwendungen nicht schneller als sein Vorgänger und in einigen wenigen Benchmarks sogar langsamer. Wahrscheinliche Ursache dafür ist eine deutliche
Verlängerung der internen Verarbeitungs-Pipeline, die den Kern für höhere Taktfrequenzen fit macht. Intel selbst hat auch
keine Steigerung der CPU-Rechenleistung alleine durch die Einführung 90-nm-Fertigungstechnik versprochen, sondern sieht die Vorteile vor allem bei einer Senkung der Herstellungskosten (
Paul Otellini nannte in
einem Interview Einsparungen von 25 Prozent).
Der neue Pentium 4 steckt zwar in einem Sockel-478-Gehäuse und kooperiert prinziell mit vielen FSB800-Chipsätzen, eignet sich aber nicht für alle damit bestückten Mainboards. Wer einen Prescott einsetzen will, muss ein Mainboard nehmen, das explizit für diesen Prozessor freigegeben ist; außerdem ist meist ein BIOS-Update nötig. Zahlreiche Mainboard-Firmen haben bereits Kompatibilitäts-Listen veröffentlicht, bei deren Studium man aber unbedingt auch die Platinen-Revisionen im Auge behalten muss.
Leider führt der Umstieg von 130- auf 90-nm-Technik beim Pentium 4 zu einer erheblichen Steigerung des elektrischen Leistungsbedarfs. Intel nennt für die schnellsten Versionen eine "Thermal Design Power" (TDP) von über 100 Watt. Bei geringer Last soll eine dynamische Anpassung der Versorgungsspannung (Dynamic Voltage Identification) den Stromdurst drosseln, doch bei Messungen im c't-Labor schluckten die Systeme mit einem Prescott-Prozessor zwischen 40 (im Leerlauf) und 25 Prozent (unter Volllast) mehr Leistung als mit einem Northwood-Pentium-4 gleicher Taktfrequenz.
Die Preise (wie immer für 1000-Stück-Bestellungen von OEMs):
| Kerntakt |
alter Preis [US-Dollar] |
neuer Preis [US-Dollar] |
Nachlass [Prozent] |
| Pentium 4 Extreme Edition (Gallatin, 512 KByte L2, 2 MByte L3, Sockel 478, Hyper-Threading) |
| 3,40 GHz FSB800 |
-- |
999 |
-- |
| 3,20 GHz FSB800 |
925 |
925 |
-- |
| Pentium 4 (Prescott, 1024 KByte L2, Sockel 478, Hyper-Threading) |
| 3,40E GHz FSB800 |
-- |
417 |
-- |
| 3,20E GHz FSB800 |
-- |
278 |
-- |
| 3,00E GHz FSB800 |
-- |
218 |
-- |
| 2,80E GHz FSB800 |
-- |
178 |
-- |
| Pentium 4 (Northwood, 512 KByte L2, Sockel 478, Hyper-Threading) |
| 3,40 GHz FSB800 |
-- |
417 |
-- |
| 3,20 GHz FSB800 |
417 |
278 |
33 |
| 3,0 GHz FSB800 |
278 |
218 |
22 |
| 3,06 GHz FSB533 |
262 |
218 |
17 |
| 2,80C GHz FSB800 |
218 |
178 |
18 |
| Pentium 4 (Prescott, 1024 KByte L2, Sockel 478, ohne Hyper-Threading) |
| 2,80A GHz FSB533 |
-- |
163 |
-- |
| Pentium 4 (Northwood, 512 KByte L2, Sockel 478, ohne Hyper-Threading) |
| 2,80 GHz FSB533 |
193 |
163 |
16 |
Detaillierte Informationen zur Prescott-Architektur sowie einen Leistungsvergleich bietet die
c't-Ausgabe 4/2004 (ab Montag, den 9.2.2004, im Handel).