18.07.2009 16:36
Iranische Handy-Käufer strafen Nokia für seine Komplizenschaft mit der umstrittenen Regierung ab, berichtet der Guardian. Nach Recherchen der britischen Tageszeitung habe sich der Verkauf von Nokia-Geräten in Teheran halbiert; teilweise boykottieren Einzel- und Großhändler Produkte des Handy-Marktführers. Das iranische Handy-Netz wurde in den letzten zwei Jahren stark ausgebaut und verbindet inzwischen 53 Millionen Menschen.
Die Mobilfunk-Infrastruktur des Quasi-Monopolisten Telecommunications Company of Iran (TCI) ermöglicht Überwachung durch Deep Packet Inspection und sogar die nachträgliche Manipulation von Inhalten; aufgebaut wurde sie von der Firma NSN, einem Joint Venture von Nokia und Siemens. Siemens soll außerdem ein Internet-Filtersystem im Iran installiert haben. Nach Informationen des Guardian gehen auch die Werbeschaltungen bei der TCI und beim staatlichen Fernsehen stark zurück, weil die Firmen Angst hätten, auf einer schwarzen Liste der Regierungsgegner zu landen. Obendrein boykottieren TCI-Kunden den lukrativen SMS-Dienst, was den Provider laut Guardian veranlasste, den Preis für Kurznachrichten zu verdoppeln.
Für Nokia fügt sich der Schaden an Image und Erlösen in dem bevölkerungsreichen Land zu den jüngsten Nachrichten von Umsatz- und Gewinnrückgängen, die auch NSN betrafen; der Marktanteil des finnischen Konzerns bei den Handys ist auf 38 Prozent geschrumpft. Ein Sprecher von NSN rechtfertigte das Handeln seines Unternehmens: "Wie in jedem anderen Land erfordern Telekom-Netzwerke im Iran die Fähigkeit, Gespräche nach dem Gesetz abzuhören". "Ich würde Nokia gerne sagen, dass ich gefoltert wurde, weil sie unserer Regierung diese verdammte Technologie verkauft haben", zitiert der Guardian einen iranischen Journalisten. (Herbert Braun)
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(heb/c't)
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