08.04.2008 11:16
Das Internet für Kinder absolut sicher zu machen, ist nach Ansicht der Medienpädagogin Sandra Fleischer unmöglich. "Deshalb sollen Eltern ihren Nachwuchs kritisch an das World Wide Web heranführen", sagte die Leiterin der Erfurter Geschäftsstelle Ein Netz für Kinder in einem Gespräch mit dpa. Die Initiative fördert neue kindgerechte Internetprojekte und will helfen, einen unbedenklichen Surfraum für Kinder zu schaffen – das Portal "fragFINN" geriet aber schon beim Start in die Kritik, etwa, weil "kindgerechte Werbung" vorgesehen ist, wegen möglicherweise unklarer redaktioneller Einflüsse und wegen leicht zu umgehender Seitensperren.
Auf der Tagung "Jugendmedienschutz 2.0" beraten von Donnerstag an Vertreter von Politik, Medien und Kirchen über die Medienbildung in der Familie und den Schulen. "Es geht bei unserer Arbeit jedoch nicht darum, Kinder vor dem 'bösen' Internet zu schützen, sondern ihnen die Gefahren bewusst zu machen", sagte Fleischer. "Besonders problematisch sind für Kinder gewalthaltige Bilder und Pornografie." Kinder seien auf der Suche nach Orientierung. "Solche Internetseiten verunsichern sie." Auch die Gespräche in Foren und Chats könnten ihnen Angst machen. "Wenn Erwachsene Kindern schreiben und sie zum Beispiel mit sexuellen Handlungen konfrontieren, wenn auch nur schriftlich, können Kinder das schwer verarbeiten." Außerdem sei es ärgerlich, wenn der Nachwuchs persönliche Daten herausgebe oder im Internet einkaufe.
"Das Internet sicher machen – das geht überhaupt nicht", ist Fleischer überzeugt. In diesem offenen Raum könnte die Masse der Angebote nicht kontrolliert werden. Außerdem habe jedes Land andere Gesetze. Eine Verfolgung von strafbaren Inhalten sei deshalb sehr schwierig und passiere auch nicht überall. "Ein Netz für Kinder" gebe Eltern und Kindern jedoch einen Hilfsrahmen für das sichere Surfen. Die Initiative von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und des Bundesministeriums für Familie stütze sich seit dem Start im November 2007 auf zwei Säulen: Sie sammele unbedenkliche Internetangebote für fragfinn.de. Die Seiten müssten nicht für Kinder angelegt sein. "Sie können sich auch ruhig die Internetseite eines Unternehmens oder der Bundeszentrale für politische Bildung ansehen. Das müssen nicht nur rosa Pferdchen sein." Mit einem Browser-Plugin könnten Eltern zudem den Webzugriff so einschränken, dass Kinder nur auf unbedenklichen Seiten surfen können. Sobald sich Kinder ein bisschen Know-how über Software und das Internet angeeignet haben, dürfte sie das nach den Erfahrungen vieler Eltern kaum davon abhalten, diese Sperren auszutricksen.
Mit bis zu 1,5 Millionen Euro pro Jahr fördert die Initiative zudem kindgerechte Internetangebote. "Uns sind Projekte wichtig, die Medienkompetenz befördern und eine Verbindung zum Internet haben." Das könnten medienpädagogische Angebote sein, bei denen eine Internetseite entsteht, aber auch die Ausbildung von Moderatoren für Internet-Chats auf Kinderseiten. Bisher hätten sich 18 Projekte beworben, über eine Förderung werde demnächst entschieden.
"Aber Medienerziehung muss trotzdem zu Hause stattfinden." Eltern sollten ihre Kinder genauso kritisch an das Web heranführen, wie sie es mit Büchern oder dem Fernsehen tun. Wichtig sei, Kindern keine Angst zu machen. Die Vorteile des Internets, wie das schnelle Finden von Informationen und die neue Kommunikation, sollten im Vordergrund stehen. "Dennoch muss man Kindern nicht krampfhaft das Internet erklären. Im Kindergartenalter mit dem Surfen anzufangen, ist Quatsch", sagte Fleischer. Eltern sollten auf ihre Kinder eingehen, wenn diese anfingen, sich für das Internet zu interessieren. "Die Schule kann die Medienbildung nicht leisten. Natürlich wird mit Medien gearbeitet, aber Lehrer, die eine medienpädagogische Ausbildung haben, gibt es kaum." (Theresa Krohn, dpa) / (Theresa Krohn, dpa)
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(jk)
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