19.06.2012 12:30
Kognitiver Funksender für 100 Megahertz bis 7,5 Gigahertz
Der Äther ist längst überfüllt: In einem Haus in einer Großstadt sind nicht selten ein Dutzend WLANs, etliche Festnetztelefone und Smartphones sowie digitale Fernsehgeräte auf Sendung. Das kann auf Kosten der Übertragungsqualität gehen. Ein Beratergremium der US-Regierung drängt deshalb darauf, dass sich Mobilfunkbetreiber und Forschungsgruppen des Problems annehmen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Sie sollen Lösungen finden, mit denen sich das Radiofrequenz-Spektrum effizienter nutzen lässt.
Ziel sind "kognitive" Funkstationen: Sie spüren ungenutzte Frequenzen auf und schalten bei hoher Datenlast automatisch auf freien Frequenzen um – ohne dass die Nutzer davon etwas mitbekommen. Das Start-up Radio Technology Systems aus dem US-Bundesstaat New Jersey hat hierzu bereits ein erstes Bauteil namens "CogRadio" vorgestellt. Es arbeitet schneller und nutzt ein weiteres Frequenzspektrum als alle bisher entwickelten Geräte. Selbst bei einer Videoübertragung nimmt der Nutzer während des Frequenzwechsels kein Ruckeln wahr.
Als erstes Gerät seiner Art kann das "CogRadio" ein Spektrum zwischen 100 Megahertz und 7,5 Gigahertz nutzen. In dem liegen UKW- und Mikrowellenfrequenzen, TV-Frequenzen sowie Frequenzen für die drahtlose Datenübertragung in WLANs und Mobilfunknetzen. Die Umschaltzeit beträgt in der Regel 50 Mikrosekunden, in einigen Fällen sogar nur eine Mikrosekunde. Das sei ein neuer Rekord, sagt Peter Woliansky. Der ehemalige Mitarbeiter der berühmten Bell Labs ist der Kopf hinter dem CogRadio und Gründer von Radio Technology Systems. Die Datenübertragungsrate liegt bei derzeit immerhin schon 400 Megabit pro Sekunde – das Achtfache herkömmlicher 802.11g/b-Netze. Weil das CogRadio auf mehreren Frequenzen gleichzeitig funken kann, soll damit außerdem die simultane Übertragung von bis zu 20 HD-Filmen möglich sein.
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