08.02.2010 08:37
Wer im Wachkoma liegt, weist normalerweise derart schwere Hirnverletzungen auf, dass Mediziner bislang annahmen, dass keine Kommunikationsaufnahme mehr möglich ist. Doch das scheint nicht immer der Wahrheit zu entsprechen, wie eine neue Studie zeigt, die mit bildgebenden Verfahren arbeitete. Eine der Testpersonen konnte darin eine Reihe von Ja-Nein-Fragen beantworten – und zwar ganz allein über die Interpretation von Gehirnscans, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Die Untersuchung zeigt, wie schwer es sein kann, Menschen mit diesen Krankheitsbildern zu diagnostizieren – und dass neue Techniken helfen könnten, sie doch noch zumindest teilweise ins Leben zurückzuholen. Das wirft zahlreiche ethische und philosophische Fragestellungen auf, was sich als bewusste Wahrnehmung interpretieren lässt und wie sie messbar ist.
"Meiner Ansicht nach ist dieses Paper ein Durchbruch in den Kognitionswissenschaften und der Neurologie – und wird wohl die Basis für eine neue Diskussion darüber liefern, was es bedeutet, wach, aufnahmefähig und letztlich ein Mensch zu sein", meint Allan Ropper. Der Neurologe am Brigham and Women's Hospital in Boston kommentierte die Studie für das "New England Journal of Medicine".
Bereits 2006 publizierte Adrian Owen, Neurologe des Medical Research Council (MRC) im britischen Cambridge, erstmals über seine erstaunliche Entdeckung: Mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT), einer indirekten Messung der Gehirnaktivitäten über ein bildgebendes Verfahren, konnte er Kontakt mit einem Wachkoma-Patienten aufnehmen, der komplexe Kommandos ausführte. Die neue Studie baut auf diesen Erkenntnissen auf und zeigt, dass dieser Patient kein isolierter Vorfall war und fMRT tatsächlich zur Kommunikation mit Patienten genutzt werden kann, die sonst nicht ansprechbar erscheinen.
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