18.02.2009 15:51
Das Geschäft mit Mobilfunk-Technik wurde lange Zeit von Europäern dominiert: Hier sitzt mit Nokia der größte Hersteller von Handys und mit Ericsson der größte Produzent von Übertragungstechnik. Dann gab es da noch eine südkoreanische, eine amerikanische und eine japanische Fraktion. Doch China? China war keine Konkurrenz. Geräte im Auftrag zusammenschrauben oder sie billig kopieren, das konnten die Chinesen in den Augen der Industrie, mehr aber auch nicht. Doch das Blatt hat sich gewendet, wie auf der weltgrößten Branchenmesse Mobile World Congress (MWC) in Barcelona deutlich wird.
Unter der Sonne Spaniens zeigen die Konzerne aus dem Reich der Mitte unmissverständlich, dass sie die industrialisierte Welt über die Schlüsselbranche Telekommunikation aufrollen wollen. Während Europäer, Südkoreaner, Amerikaner und Japaner sich angesichts der Wirtschaftsflaute in einer neuen Bescheidenheit üben, protzen und prahlen die Chinesen um die Wette.
Am Pavillon des Telekomausrüsters Huawei beeindruckt bereits die mit Teakholz ausgelegte Terrasse in der Größe eines halben Fußballfeldes. Beim Gang ins Innere des Gebäudes stockt manchem Besucher dann der Atem: Es öffnet sich ein riesiger, komplett in weiß gehaltener Saal. In der Mitte steht ein ebenfalls weißer Konzertflügel, flankiert von zwei geschwungenen Showtreppen, die jedem Fred-Astaire-Film zur Ehre gereichen würden. Bevölkert werden die Hallen von unzähligen Chinesen, die sich gleich des Besuchers annehmen. Was für ein Gegensatz zu dem an eine Höhle erinnernden Stand des Branchenführers Ericsson gleich nebenan in einer der alten Messehallen.
Dass die Chinesen allen Grund für ihr selbstbewusstes Auftreten haben, zeigt ein Geschäftsabschluss gleich zu Beginn der Messe: Der Mobilfunk-Betreiber O2 suchte jemanden, der ihm in Deutschland ein schnelleres Netz für das mobile Internet aufbaut, zunächst in München, dann im Rest der Republik. Die Wahl fiel dabei nicht auf den in der bayerischen Landeshauptstadt ansässigen Ausrüster Nokia Siemens Networks (NSN), sondern auf Huawei aus der Stadt Shenzhen in der chinesischen Provinz Guangdong.
Zumindest nach außen geben sich die etablierten Konzerne immer noch gelassen. "Uns ist vor der Konkurrenz aus Fernost nicht bange", sagt NSN-Vertriebschef Christoph Caselitz. "Wir leben mit der Konkurrenz schon seit Jahren." Was er aber nicht abstreiten kann: Die Messestände der Chinesen sind in der Zeit ein Stück größer geworden. (Daniel Schnettler, dpa-AFX) / (dpa)
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(anw)
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