05.10.2009 16:50
Mit einem Gruß-Video des Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela wurde am heutigen Montag in Genf die ITU Telecom World 2009 eröffnet. "Informations- und Kommunikationstechnologien sind das mächtigste Werkzeug für den Fortschritt der Menschheit, das wir haben", rief das südafrikanische Idol die Teilnehmer auf, Anstrengungen zur Verknüpfung der Welt und zur Überbrückung des digitalen Grabens zu unterstützen.
Nach einem kostenbedingten Ausflug nach Hongkong 2006 ist die Konferenzmesse wieder an ihren traditionellen Austragungsort zurückgekehrt. Sie hat jedoch an Umfang deutlich eingebüßt. Die Messe währt nur noch fünf Tage und konnte lediglich 450 Aussteller aus 50 Ländern für sich gewinnen. Der Veranstalter ITU (International Telecommunication Union) erwartet bis zu 40.000 Teilnehmer; bei der letzten Auflage in Genf 2003 waren noch über 100.000 Besucher gekommen.
ITU-Generalsekretär Hamadoun Touré betonte in Genf die Bedeutung der IKT für die wirtschaftliche Entwicklung.
Bild: Daniel AJ Sokolov
ITU-Generalsekretär Hamadoun Touré betonte die Bedeutung der IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie) für die wirtschaftliche Entwicklung. Der IKT-Sektor habe zwei Drittel aller neuen Arbeitsplätze in den letzten fünf Jahren geschaffen. Ein neuer Bericht zeige, wie IKT als Stimulanz für Volkswirtschaften eingesetzt werden könne. Außerdem widmete sich Touré intensiv dem Thema Sicherheit. Am Mittwoch will er neue Richtlinien für den Online-Schutz von Kindern vorstellen. Zudem forderte er Anstrengungen zum Schutz der IKT-Infrastruktur: "Der nächste Weltkrieg könnte im Cyberspace sein. Das wäre eine Katastrophe", meint der Generalsekretär, "Die Staaten müssen verstehen, dass es keine Supermächte gibt. Jeder Bürger könnte eine Supermacht sein."
Schließlich wies Touré darauf hin, dass IKT auch in Entwicklungsländern keine Frage von Wohltätigkeit sei. "Es ist reines Geschäft. Wenn Sie den richtigen Businessplan haben, werden Sie auch das Kapital bekommen." Als wichtiger Kapitalgeber in Afrika hat sich China einen Namen gemacht. Wer bei chinesischen Konzernen wie Huawei oder ZTE Netzinfrastruktur groß einkauft, erhält die erforderlichen Kredite von der Regierung in Beijing. "Dies ist in Ruanda und auf dem (gesamten afrikanischen) Kontinent eine willkommene Idee", schilderte Paul Kagame, Präsident von Ruanda.
Die Veranstaltung in Genf wurde von einem Terroranschlag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad überschattet. Ein Selbstmordattentäter hat sich heute in einem Gebäude des Welternährungsprorgrammes (WFP) der UNO in die Luft gesprengt und vier UN-Mitarbeiter mit in den Tod gerissen. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte in der Eröffnungs-Pressekonferenz zur ITU Telecom World den Anschlag und sprach den Hinterbliebenen sein Beileid aus. "Wir werden unsere humanitäre Unterstützung für das pakistanische Volk fortsetzen", versprach der Generalsekretär.
Die ursprünglich alle vier Jahre und seit 2003 alle drei Jahre stattfindende ITU Telecom World soll künftig einen zwei Jahres-Rhythmus einhalten. Zu seinem 40. Geburtstag soll das Ereignis 2011 wieder in Genf stattfinden. Dies freute zwar Robert Hensler, Staatskanzler des Kantons Genf. Unter den internationalen Teilnehmern hielt sich die Begeisterung angesichts des Genfer Preisniveaus, das zur ITU Telecom World zu speziellen Höhenflügen ansetzt, in engen Grenzen. (Daniel AJ Sokolov)
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(vbr)
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