16.01.2008 20:49
Massenweise überfluteten sie den deutschen Markt: Manipulierte und datenvernichtende USB-Sticks, die eine größere Kapazität vortäuschten, als tatsächlich vorhanden ist. Betroffen sind, wie bereits gemeldet, Speicher-Stäbchen der Marke Bluemedia, Emtec und Hama, die unter anderem bei Real, Saturn und im Mediamarkt verkauft wurden.
Hama rief die manipulierte Ware aus der "Fancy"-Serie mit Kapazitäten von 2, 4 und 8 GByte bereits am Dienstag vormittag zurück. Die Sticks sind leicht anhand der aufgedruckten Chargennummer "82516" und der dreieckigen Befestigungsöse zu erkennen. Betroffene Kunden können die Sticks direkt bei Hama umtauschen.
Bei Emtec tat man sich zunächst etwas schwerer und sprach gegenüber c't anfänglich von einem "Produktionsfehler". Später startete aber auch Emtec im Handel eine Rückruf-Aktion für USB-Sticks aus der C150-Serie. Betroffen sind laut Emtec-Pressesprecherin Miriam Franke sowohl Sticks mit 2- und 4- als auch solche mit 8-GByte Kapazität. Im Rückruf lieferte Emtec folgende Erklärung für den Fehler: "Die Fehler traten bei der Datenübertragung von einzelnen Dateien, die größer als 1 GByte waren, und beim Transfer von mehr als 1000 kleinen Dateien auf. Zudem wurden auf manchen USB-Sticks mehr als 64 Unterordner angelegt." Das hieße also, dass keine Fehler auftreten, wenn nur wenige Dateien mit exakt 1 GByte auf die Sticks geschrieben werden -- genau das tut auch unser Testprogramm H2testw und entdeckt trotzdem Fehler auf den betroffenen USB-Sticks von Emtec. Sobald mehr 1 GByte auf die Sticks geschrieben wird, produzieren diese Datenmüll. Verwunderlich ist das freilich nicht, waren die von uns untersuchten Exemplare doch nur mit 1-GByte-Flash-Chips bestückt. Damit die Manipulation nicht sofort auffällt, hatte man sich noch die Mühe gemacht, die Chips abzuschleifen und neu zu beschriften. Die von Emtec gelieferte Fehlererklärung ist also nicht nur falsch, sondern wiegt den arglosen Kunden auch noch in trügerischer Sicherheit.
In einem Gespräch mit c't räumte Miriam Franke das auch ein und teilte mit, dass Emtec diese Fehlererklärung vom Lieferanten, der in Hong Kong ansässigen Starline International Group Limited, übernommen habe. Man werde, so versicherte Frau Franke, auf der eigenen Webseite schnellstmöglich eine Anlaufstelle für betroffene Kunden schaffen. Insgesamt habe man inzwischen über 60.000 USB-Sticks aus dem Handel zurückerhalten, obwohl wohl nur gut 15.000 manipulierte Sticks von Starline International geliefert worden seien. Um sicherzustellen, dass garantiert keine manipulierten Sticks mehr im Umlauf sind, habe man sich aber zu dieser radikalen Maßnahme entschlossen.
Bei Starline International, die ja auch laut Hama für die dort ausgesonderte manipulierte Charge verantwortlich zeichnen, weist man indes alle Schuld von sich. Douglas Ching, Marketing Manager Online Media bei Starline International Hong Kong, bestritt in einer Stellungnahme vehement, das "solche Produkte aus unseren Fabriken stammen". Seinen Quellen zufolge komme die manipulierte Ware nicht aus China, sondern aus Taiwan. Doch so sehr er auch mit einigen respektablen deutschen Firmen sympathisiere, die nun Geld und Reputation verloren hätten, so sehr sei er aber auch davon überzeugt, dass dieser Fall einen positiven Effekt auf den deutschen Flash-Markt haben werde. Einkäufer sollten zukünftig halt mehr auf Qualität achten und verstehen, dass es sich nicht lohnt, Aufträge bei kleinen chinesischen Herstellern zu platzieren.
(gs)
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