24.04.2008 15:46
Medion startet positiv ins Jahr – und wehrt sich gegen Überwachungsvorwürfe
Der Elektronikkonzern Medion ist laut einer am heutigen Donnerstag veröffentlichten Ad-hoc-Mitteilung positiv ins Jahr 2008 gestartet. Nach vorläufigen Zahlen konnte das Unternehmen im ersten Quartal Umsätze in Höhe 420 Millionen Euro erwirtschaften. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres (406 Millionen Euro) bedeutet dies eine Steigerung um gut 3 Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) werde sich auf zirka 6,7 Millionen Euro verbessern, teilte Medion weiter mit. Im Vorjahresquartal war ein EBIT-Ergebnis von 4,6 Millionen Euro angefallen. Die endgültigen Zahlen will das Unternehmen am 14. Mai vorlegen.
Medion wehrt sich unterdessen gegen Vorwürfe übermäßiger Mitarbeiterüberwachungen. Spiegel Online hatte am Montag berichtet, zahlreichen Mitarbeitern des konzerneigenen Callcenters AMS sei gekündigt worden, weil sie sich gegen eine geplante Überwachung am Arbeitsplatz gewehrt hatten. Die Maßnahmen – mitgehörte Gespräche, Überwachung des E-Mail-, Brief- und Faxverkehrs – sollten den Angaben zufolge auf Druck des Großkunden Aldi eingeführt werden. Peter Staab, Leiter Investor Relations bei Medion, betonte heute gegenüber heise online aber erneut, "dass kein Handelspartner Druck ausgeübt hat, die Qualitätsverbesserungen im Callcenter-Bereich einzuführen".
Staab weist zudem darauf hin, dass die Allgemeine Multimedia Service GmbH (AMS), eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Medion, bereits am 31. Januar eine Betriebsvereinbarung mit dem Konzernbetriebsrat über die Einführung von Qualitätsmaßnahmen im Callcenter geschlossen habe. Diese Maßnahmen dienten allein "der Qualitätssicherung und -verbesserung für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit sowie zur Schaffung zukunftssicherer Arbeitsplätze". In der Betriebsvereinbarung sei auch festgelegt, erklärt Staab, "dass der Schutz der Persönlichkeitsrechte für die betroffenen Mitarbeiter sowie alle datenschutzrechtlichen Belange besondere Berücksichtigung finden".
Qualitätsmaßnahmen im Sinne der Betriebsvereinbarung sind laut Staab das Mitschneiden von Telefonaten (Silent-Call-Monitoring), die Überwachung von schriftlichen Kundenkontakten (Letter-Monitoring) sowie die sogenannte Mystery-Kontaktherstellung. Dabei überprüfen speziell geschulte Mitarbeiter das Verhalten von Callcenter-Angestellten anhand standardisierter Prozessabläufe. Für die Mystery-Überprüfung können anonyme Anrufe, Mails, Briefe oder auch Faxe genutzt werden.
AMS habe sich im Einvernehmen mit dem Betriebsrat aber darauf verständigt, nur maximal 10 Silent-Call-Monitorings pro Mitarbeiter und Quartal (für Mitarbeiter im Call-Geschehen) sowie maximal 20 Letter-Monitorings pro Mitarbeiter und Quartal (für Mitarbeiter im schriftlichen Kundenkontakt) durchzuführen, verdeutlicht Staab. Hinsichtlich der Mystery-Kundenkontakte gelte eine Selbstbeschränkung von 3 Qualitätsmaßnahmen pro Mitarbeiter und Monat. Eine Aufzeichnung der Mystery-Calls erfolge in keinem Fall.
Den Mitarbeitern könnten künftig allerdings schon kleinste Abweichungen von der Norm zum Verhängnis werden: "Sollten wiederholt (3x) gleichartige Beanstandungen im Kundenverhalten von Mitarbeitern festgestellt werden, hat die Personalabteilung das Recht, arbeitsrechtliche Maßnahmen zu veranlassen", erklärt Medion-Personalchefin Kira Max. Wer einen guten Job mache, habe "nichts zu befürchten". Rund 20 der insgesamt etwa 150 AMS-Mitarbeiter wehren sich gegen die neuen Maßnahmen. Nachdem sie sich weigerten, eine entsprechende Zusatzvereinbarung zu unterschreiben, wurde ihnen zum 31. Mai gekündigt. Die Betroffenen haben die Gewerkschaft eingeschaltet und wollen nun auf Wiedereinstellung klagen.
(pmz)














