20.10.2008 17:37
In den USA gilt für das frei empfangbare Fernsehen und den Rundfunk immer noch die – je nach Sender und Sendezeit unterschiedlich streng ausgelegte – schwarze Liste mit mindestens sieben "schmutzigen" Wörtern, die nicht ungepiepst über den Äther gehen dürfen. Das stellt US-Sender vor allem bei Live-Sendungen vor Probleme – von optischen Irritationen wie Janet Jacksons fast blankem Busen in der Halbzeitpause der Super-Bowl-Übertragung 2004 mal abgesehen –, denen die Verantwortlichen schon mal mit einer zeitverzögerten Übertragung begegnen. Zumindest für die Tonspur gibt es nun auch ein Verfahren von Microsoft, bei dem ein eingehender Sprachdatenstrom durch einen "automatischen Zensurfilter" läuft und "zensierte Sprache" produziert.
Microsoft hat nun das US-Patent (7,437,290) für ein automatisches Zensurverfahren erhalten, mit dem "unerwünschte Wörter oder Ausdrücke" unverständlich gemacht oder unterdrückt werden können, wie es in der Zusammenfassung der Patentschrift heißt. Der Filter setzt dabei auf eine Matrix aus Lauten und Wörtern, mit der das Ausgangsmaterial mit entsprechenden Lautfolgen in unerwünschten Ausdrücken abgeglichen wird. Wenn die Wahrscheinlichkeit, dass die Muster im eingehenden Datenstrom einem Wort auf der Negativliste entsprechen, einen bestimmten Schwellenwert überschreitet, wird der Ausruck unverständlich gemacht. Das soll sowohl mit gespeicherten Daten als auch einem Live-Datenstrom funktionieren.
Dabei soll das System flexibel und durchaus lernfähig sein. So könne es bestimmte Ausdrücke auch mit Alternativen ersetzen, ohne sie gleich unverständlich zu machen. "Zum Beispiel könnten die Wörter 'God' und 'damn' mit 'gosh' und 'darn' ersetzt werden." Dabei könnten auch Samples von aufgezeichneten Reden desselben Sprechers zum Einsatz kommen. Der Schwellenwert passe sich automatisch der Häufung der Positivergebnisse an, heißt es in der Patentschrift. Je mehr unerwünschte Ausdrücke das System identifiziert, desto niedriger wird der Schwellenwert. Dazu lassen sich für verschiedene unerwünschte Begriffe auch unterschiedliche Werte festlegen. Darüber hinaus fließen bei der Berechnung auch Informationen über den Sprecher oder Autor und seine sprachlichen Eigenheiten, die Uhrzeit der Übertragung, die Art der Veranstaltung sowie das zu erwartende Publikum ein. Wenn also jemand wie Martha Stewart zur besten Sendezeit ein neues Gartenbuch präsentiert, dürfte der Schwellenwert um einiges höher liegen, als bei einer Sendung von Howard Stern.
Das System kopiert laut Patentanmelder die Vorzüge eines menschlichen Zensors. Dessen Vorteil sei, dass er die äußeren Umstände in seine Entscheidungen mit einbeziehen könne, um eine "ungebührliche Zensur" zu verhindern. Als Anwendungsgebiete biete sich der Rundfunk an; mit dem System könne der Äther von Kraftausdrücken oder sexuellen Anspielungen "gereinigt" werden, heißt es weiter. Das System lässt sich auf einem Laptop auch mobil einsetzen und so beispielsweise bei einer Veranstaltung zwischen Mikrofon und Lautsprecheranlage schalten. Doch auch virtuelle Welten haben die Erfinder im Blick: Auch die Sprachchats von Multiplayer-Spielen könne der Auto-Zensor sauber halten.
(vbr)
Version zum Drucken | Per E-Mail versenden | Newsletter abonnieren
Permalink: http://heise.de/-212379
Mehr zum Thema Zensur Patente Spracherkennung Rundfunk Microsoft