03.11.2008 16:39
Das Community-Portal MySpace und Fernsehsender MTV testen ein neues Vermarktungsmodell für auf MySpace von Nutzern eingestellte Videos, die geschütztes MTV-Material enthalten. Der Fernsehsender will künftig an der Vermarktung seiner Inhalte teilhaben, anstatt sie wie üblich löschen zu lassen. Möglich machen soll das eine Werbeplattform, die eingestellte Videos identifizieren und mit einer Werbeeinblendung versehen kann.
Das System von Auditude gleicht das eingestellte Videomaterial mit einer Datenbank ab und könne so die Herkunft der Clips identifizieren. Dabei setzt Auditude eigenen Angaben zufolge nicht auf Titel, Beschreibungen oder "Tags", sondern werte direkt aus den Audio- und Videodaten genommene "Fingerabdrücke" aus, die mit einer 250 Millionen Videos umfassenden Datenbank abgeglichen werden. Die Software kann nach Unternehmensangaben so auch kurze Ausschnitte den entsprechenden Sendungen zuordnen.
Das System versieht den Clip dann mit einem Hinweis auf die Originalquelle und gegebenenfalls Kaufmöglichkeiten sowie einer Werbeeinblendung. Rechteinhaber können so einerseits durch Transaktionserlöse profitieren, andererseits durch die Werbeeinnahmen aus den Clips. Ob und wie die Einnahmen geteilt werden sollen, darüber schweigen sich die Partner aus. Nach Angaben des Wall Street Journal soll MTV die Vermarktung der Videos selbst übernehmen.
MySpace wird die Auditude-Plattform zunächst mit Videos von MTV-Networks testen. Dabei geht es Berichten zufolge zunächst um eine Auswahl aktueller und älterer Sendungen, darunter Formate wie "Punk'd", "The Daily Show with Jon Stewart", die "Sarah Silverman Show" oder "The Hills". Das Verfahren ähnelt der inzwischen von YouTube eingesetzten Software, mit der sich die Google-Tochter an der Verwertung der zahllosen Clips versucht. Bei YouTube haben Rechteinhaber die Wahl, ihre Videos löschen zu lassen oder zu verwerten.
Zuvor hatte MTV-Mutter Viacom wegen der Video-Tochter eine Milliardenklage gegen Google angestrengt. Mit MySpace liege der Fall etwas anders, meint MTV-Manager Mika Salmi gegenüber dem Hollywood Reporter. Das Murdoch-Portal habe in Urheberrechtsfragen eine andere und progressivere Einstellung.
(vbr)
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