17.09.2009 18:16
Nintendo will das Geschäft mit Spielen weiter ausbauen, die nur per Download erhältlich sind. In London stellte der japanische Konsolenhersteller nicht nur eine Reihe neuer Titel für Wii und DSi vor, sondern rief Spieler dazu auf, anderen Wii-Besitzern bei der Verbindung der Konsole mit Nintendos Online-Shop behilflich zu sein. Als Belohnung für die ab Oktober startende "Connection Ambassador Promotion" sollen sowohl dem Helfer als auch dem Geholfenen jeweils 500 WiiPoints (umgerechnet 5 Euro) im Online-Shop gutgeschrieben werden. Eifrige Helfer, die zehn andere Wiis online bringen, sollen zudem alle NES-Spiele von Nintendo kostenlos als Download erhalten. Wer gar 20 andere Wii-Konsolen online bringt, erhält kostenlosen Zugriff auf alle Nintendo-Klassiker aus dem Virtual-Console-Bereich. Das Maximum der über die Promotion-Aktion erhältlichen Punkte liegt bei 10.000. Um die Kunden technisch weiter aufzuklären, sollen im neu gestalteten Wii-Online-Shop Anleitungen zum Verbindungsaufbau abrufbar sein.
Mit seiner Verbindungs-Offensive will Nintendo den Spielevertrieb weiter von physikalischen Datenträgern weg und hin zu flexibleren und günstigeren Downloads verlagern, die in der Industrie immer mehr an Bedeutung gewinnen. Erst in der vergangen Woche hatte Apple angekündigt, den iPod touch künftig nicht mehr primär als MP3-Player, sondern als mobile Spielkonsole vermarkten zu wollen. Der App Store halte bereits über 21.000 Download-Spiele für iPhone und iPod Touch bereit, während Nintendo DS laut Apple nur mit etwa 3700 und Sonys PSP mit rund 600 Titeln aufwarten könne. Interessanterweise wurden in London auf der DSi-Konsole mit "Flight Control" und "Castle of Magic" zwei Portierungen erfolgreicher iPhone-Spiele gezeigt, was die Bedeutung der Apple-Geräte bei Spielentwicklern unterstreicht. Allerdings erreichen nur äußerst wenige der meist billigen oder gar kostenlosen iPhone-Spiele ein Niveau, das den häufig teureren DS- und PSP-Spielen entspricht.
Nintendo führte den Download-Vertrieb von Spielen für seine mobilen Konsolen erst im April mit der DSi-Konsole ein, unterstützt mit dieser im Gegensatz zu iPhone und iPod touch aber weiterhin Spiele, die auf Speichermodulen vertrieben werden. Sony setzt mit der am 1. Oktober startenden PSP Go hingegen erstmals auf den reinen Download-Vertrieb und will diesen mit günstigen Mini-Spielen ankurbeln, deren Größe maximal 100 MByte betragen darf. Doch der Einzelhandel, der zukünftig am Verkauf der Spiele nicht mehr partizipieren soll, wehrt sich gegen seine Ausbootung: Wegen des hohen Hardware-Preises von 250 Euro und der fehlenden Möglichkeit, Spiele auf UMD für die PSP Go zu verkaufen, weigern sich einige Handelsketten, etwa die niederländische Nedgame, die Mobilkonsole in ihr Sortiment aufzunehmen.
Bislang hält sich Nintendo mit konkreten Verkaufszahlen seines Online-Vertriebs zurück. Neuerdings sollen die populärsten Titel durch Top-10-Listen im Shop beworben werden. In London stellte der Konsolenhersteller rund 20 neue Download-Titel für Wii und DSi vor. Im Gespräch mit heise online betonte Laurent Fischer, europäischer Marketing-Chef von Nintendo, dass man mit ungewöhnlichen Ideen, die ein breites Publikum ansprechen, sich von der Konkurrenz absetzen wolle. Er begrüßte Apples Erfolge im Spielevertrieb. Jede Firma, die mit ihren Produkten neue Zielgruppen erschließe, sei gut für die gesamte Spieleindustrie. Der Download-Vertrieb biete wesentlich mehr Raum für Experimente. Titel wie "And yet it moves", "You, me, and the Cubes" oder "Bit.Trip.Void" könnten im normalen Retail-Geschäft kaum bestehen. Sie profitierten stark von der intuitiven Bedienung mit der Wiimote. Einer HD-Version der Wii-Konsole mit HDMI-Anschluss erteilte Fischer jedoch eine Absage: "High-Definition würde die Produktionskosten in die Höhe treiben, ohne das Spielerlebnis zu verbessern. Wii Sports funktioniert wegen seiner Bewegungssteuerung so gut, die Grafikauflösung ist dabei egal." Die Bilderstrecke zeigt einige der neuen Titel, mit denen Nintendo in den kommenden Monaten Spieler in seinen Online-Shop locken will. (Hartmut Gieselmann)
/
(hag)
Version zum Drucken | Per E-Mail versenden | Newsletter abonnieren
Permalink: http://heise.de/-789068