26.01.2012 14:30
Der finnische Handyhersteller Nokia hat im Schlussquartal des vergangenen Geschäftsjahres bei fortgesetztem Umsatzschwund erneut einen Verlust hinnehmen müssen. Der Konzernumsatz für das vierte Quartal sank von 12,65 Milliarden Euro im Vorjahresabschnitt um 21 Prozent auf 10 Milliarden Euro. Unterm Strich verzeichnete Nokia einen Verlust von 1,1 Milliarden Euro, nachdem der Hersteller im Schlussquartal 2010 noch einen Gewinn von 745 Million Euro erwirtschaftet hatte. Das teilte das Unternehmen am Donnerstagmittag in Espoo, Finnland, mit.
Für den Milliardenverlust sind in erster Linie Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Firmenvermögen der Navigationssparte Location & Commerce verantwortlich. Für das Handy-Kerngeschäft weist das Unternehmen noch einen operativen Gewinn von 203 Millionen Euro aus (Vorjahresquartal: 1,08 Mrd.). Der Umsatz der Gerätesparte ging im Vergleichszeitraum von 8,5 Milliarden Euro um 29 Prozent auf 6 Milliarden Euro zurück. Die Nokia-Aktie legte nach den Zahlen zeitweise um 6 Prozent auf 4,30 Euro zu.
Nokia hat im Schlussquartal insgesamt 113,5 Millionen Handys verkauft (Vorjahr: 123,7 Mio.). Der Absatz bei Smartphones (hauptsächlich Symbian) schrumpfte um 31 Prozent von 28,6 auf 19,6 Millionen Stück; der durchschnittliche Verkaufspreis (ASP) ging von 154 auf 140 Euro zurück. Einfachere Handys oder neudeutsch "Feature Phones" verkaufte Nokia 93,9 Millionen Stück (Vorjahr: 95 Mio.). Hier ging der ASP um 24 Prozent von 42 auf 32 Euro zurück. Nokia hatte zuletzt mit der Asha-Modellreihe neue Handys für Schwellenländer vorgestellt, die auf der bewährten S40-Plattform aufbauen.
Die Hoffnungen von Stephen Elop und Nokla ruhen auf der Lumia-Modellreihe.
Bild: heise online/vowe
CEO Stephen Elop betont, dass sich das Unternehmen nun mitten im Umbruch befinde. "Bis heute haben wir gut über 1 Million Lumia Smartphones verkauft", erklärte der Vorstandschef, der den Strategiewechsel der Finnen und die Zusammenarbeit mit Microsoft zu verantworten hat. "Man wird sehen, wie wir von diesem Punkt aus bei Verkauf, Marketing und der schrittweisen Einführung von Produkten nach vorn marschieren." Konkrete Ziele für das neue Jahr wollte der CEO aber nicht formulieren. 2012 wird für Nokia dennoch ein entscheidendes Jahr werden.
Die Lumia-Modelle sind der große Hoffnungsträger für Nokia. Das Unternehmen hat sich nach der Vorstellung der Modelle Lumia 800 und 710 in Europa kürzlich mit dem Lumia 900 wieder auf den bislang vernachlässigten US-Markt gewagt. Für die Branchenmesse Mobile World Congress (MWC) im Februar wird erwartet, dass Nokia eine europäische Version des Oberklasse-Smartphones als Lumia 910 vorstellen wird.
Zusammen mit Microsoft, dessen Mobilbetriebssystem Windows Phone positiv aufgenommen wurde, sich am Markt aber noch beweisen muss, will Nokia den Plattformen iOS und Android ein drittes "Ökosystem" entgegensetzen. "Unser sehr klares Anliegen war, bei diesem Krieg der Ökosysteme einen Brückenkopf zu errichten. Und genau das ist es, was wir jetzt in einem Land nach dem anderen schaffen", gibt sich Elop kämpferisch. Analysten geben dem Duo auch durchaus Chancen.
Der gemeinsam mit Siemens betriebene Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks bleibt ein Sorgenkind. Das Unternehmen hatte im vergangenen Sommer einen weiteren Stellenabbau angekündigt. Zuletzt hatten verschiedene Banken mit frischen Krediten für Entlastung gesorgt. Für die Sparte verzeichnet Nokia einen Umsatzrückgang von 4 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von 67 Millionen Euro (Vorjahr: 1 Mio. Euro).
(vbr)
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