21.10.2008 11:21
Deutschland hat einen Spitzenplatz unter den OECD-Ländern: Nach dem neuesten Bericht Mehr Ungleichheit trotz Wachstum sind in Deutschland die Einkommensungleichheit und die Armut stärker als in den übrigen OECD-Ländern gestiegen. Ganz vorne liegt Deutschland auch bei der Zahl der Haushalte ohne Erwerbseinkommen. In fast 20 Prozent der deutschen Haushalte arbeitet niemand.
Grafik: Growing Unequal?, OECD 2008.
Allgemein beschreibt die OECD den in zwei Drittel aller Länder zu beobachtenden Anstieg der Einkommensungleichheit und Armut als deutlich, aber moderat. Die Gesamtarmutsrate stieg in Deutschland seit 1985 von 6% auf 11%, jene der Kinder von 7% auf 16%. Allerdings gibt es weniger Langzeitarbeitslose und Grundbedürfnisse können besser als in anderen Ländern erfüllt werden. Die soziale Mobilität ist zwar höher als etwa in den USA, in Großbritannien oder Italien, dafür hält die OECD-Studie aber erneut fest: "Der berufliche Status der Eltern determiniert Bildungserfolge der Kinder."
Grafik: Growing Unequal?, OECD 2008.
Die Einkommensarmut ist gerade bei den jungen Menschen und Familien mit Kindern gestiegen, während sie bei den Ältern abgenommen hat. Neben Deutschland ist seit dem Jahr 2000 auch in Kanada, Norwegen, den Vereinigten Staaten, Italien und Finnland die Kluft zwischen Armen und Reichen deutlich größer geworden, während sie in Australien, Griechenland, Großbritannien und Australien geringer wurde.
Zurückgeführt wird die wachsende Ungleichheit darauf, dass sich einerseits die Haushaltsstrukturen verändert haben (Zunahme von Single-Haushalten und Alleinerziehenden) und andererseits die Reichen in den letzten Jahren vor allem durch Kapitaleinkünfte und Einkommen aus selbständiger Arbeit noch einmal deutlich reicher wurden: "Die Ungleichverteilung der Erwerbseinkommen von Vollzeitkräften hat in den meisten OECD-Ländern zugenommen, was sich daraus erklärt, dass die Einkommen der Spitzenverdiener stärker gestiegen sind. Globalisierung, kompetenzabhängiger technologischer Wandel und Arbeitsmarktbestimmungen und -maßnahmen sind alles Faktoren, die zu dieser Entwicklung beigetragen haben dürften." In Deutschland ist wie auch in Kanada, Finnland, Italien, Norwegen und in den USA der Abstand zwischen der Mittelschicht und der Schicht der Reichen weiter gewachsen.
(fr)
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