25.07.2008 14:39
Eine geplante Änderung des allgemeinen US-Hochschulgesetzes erregt derzeit die Gemüter im Bildungswesen in den USA. Die im Raum stehende Bestimmung sieht eine Pflicht für Fernuniversitäten vor, künftig nachzuweisen, dass auch tatsächlich die eingeschriebenen Studenten die Prüfungsaufgaben erledigen. Auf diese Weise soll Schummeln verhindert werden. Das in den 1200 Seiten umfassenden Entwurf zur Novelle des Higher Education Act eingebaute Vorhaben hat laut dem Chronicle of Higher Education bereits hektische Aktivitäten bei einigen Colleges und Universitäten mit Online-Studiengängen ausgelöst. Sie testen derzeit Lösungen, um die Fingerabdrücke von Prüflingen zur Authentisierung zu nehmen, ihre Tastatureingaben biometrisch auszuwerten oder sie mithilfe von Webkameras zu überwachen.
Gegen eine solche technische Aufrüstung in den Studierzimmern mit Systemen von Drittanbietern haben einige Führungskräfte im Bildungswesen aber Bedenken. Neben der Videoüberwachung erscheint ihnen vor allem das Einsammeln von Fingerabdrücken durch Zwischeninstanzen als zweifelhaft. "Das ist ein Schritt zu weit ins Privatleben der Studenten", meint etwa Rhonda Epper, stellvertretende Direktorin des Online-Arms der Colorado Community Colleges. Es sei fraglich, ob man die Fernpräsenz der Lehrenden und Prüfer soweit ausdehnen dürfe.
Zudem fürchten die Ausbilder, dass die Regierung ihnen eine spezielle, eventuell zu kostspielige Methode zum Erbringen der "Beweise" für die Identität der Prüflinge vorschreibt. Dabei sei nicht einmal erwiesen, dass Online-Exaministen sich in höherem Ausmaß unerlaubter fremder Hilfen bedienen würden als spickende Studenten im Hörsaal oder Klassenzimmer. Die Zugangsmöglichkeiten zum Online-Studium würden mit dem Gesetzesvorhaben, gegen dessen Verabschiedung im Herbst sich im US-Kongress bislang kein Widerstand abzeichnet, reduziert, fürchtet der Präsident des Excelsior College, John Ebersole. Viele Lehrer sind sich auch sicher, den Schreibstil ihrer Pappenheimer sowieso erkennen zu können.
Dem Fachblatt zufolge werden derzeit vor allem drei Systeme von einschlägigen Bildungsanbietern getestet. Die in Alabama sitzende Troy University etwa experimentiert demnach mit einem Gerät, dass sich vom Namen her genauso für eine Darmspiegelung eignen könnte. Der Securexam Remote Proctor komme mit einem Tablett für das Scannen von Fingerabdrücken, einem winzigen Mikrofon und einer Kamera daher und nehme einen 360-Grad-Blickwinkel rund um den Prüfling auf. Auf verdächtige Stimmen oder Bewegungen im Raum soll der über einen USB-Port anschließbare Überwachungsapparat reagieren können. Mit dem Öffnen der Aufgaben am Computer würden zudem andere Verbindungen ins Internet gekappt. Mit 150 US-Dollar pro Gerät sei das von der Firma Software Secure entwickelte Securexam aber vergleichsweise teuer und funktioniere zudem nur unter Windows.
Günstiger ist der Ansatz, den der Online-Zweig der Pennsylvania State University gewählt hat. Auf dessen World Campus kommt das Examenssystem Webassessor zum Einsatz, das ebenfalls auf eine Webcam sowie auf die biometrische Erkennung von Schreibgeschwindigkeiten und -stilen auf der Computertastatur schwört. Studenten müssen für diese Lösung, mit der ihr Gesicht, das Keyboard und der Arbeitsplatz rund herum beobachtet werden können, 50 bis 80 US-Dollar berappen. Der Anbieter Kryterion kann bis zu 50 Prüflinge gleichzeitig überwachen. Andere Universitäten arbeiten mit dem großen US-Datenhändler Acxiom zusammen. Dessen System fragt Studenten zunächst diverse Details zu ihren Lebensumständen ab, die aus einer Reihe öffentlich zugänglicher Datenbanken stammen. Pro Prüfling verlangt Acxiom rund 10 US-Dollar.
Die meisten potenziell von der Gesetzesreform betroffenen Einrichtungen warten derzeit aber noch ab. Ihnen scheinen die bisherigen Vorgaben im Entwurf noch sehr vage. Genaue Auflagen für möglicherweise zu verwendende Techniken seien daraus nicht abzulesen. Andere hoffen, dass die Passage eventuell doch noch aus dem Paket gestrichen wird. Öffentliche Aufmerksamkeit haben geplante Änderungen am Higher Education Act zuvor bereits erregt, da damit Universitäten auch zu einem schärferen Kampf gegen illegale Downloads via Filesharing angehalten werden sollen. (Stefan Krempl) / (Stefan Krempl)
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(jk)
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