26.07.2008 13:11
Die Piratenpartei Deutschland hat unter dem Schlachtruf "Musik klarmachen zum Ändern" ein Internetportal rund um Freie Musik gestartet. Wer sich davon eine weitere Quelle zum kostenlosen Download von Songs und Alben verspricht, liegt aber falsch: Im Wesentlichen gibt es auf der Website Informationsmaterial über alternative Lizenzierungsmodelle wie Creative Commons (CC). Im Kontrast zur konventionellen Rechteverwertung stellen solche Konzepte einen Weg für Autoren dar, der Öffentlichkeit erweiterte Nutzungsrechte an ihren Werken einzuräumen. Das Online-Angebot klärt außerdem beispielsweise über Netlabels und von diesen angebotene kostenlose Musikstücke auf. Hinzu kommen unter anderem Links auf Projekte wie den "Open Music Contest", die Plattform "Jamendo" oder den "Vorleser", die CC-Lizenzen einsetzen oder gemeinfreie Werke als Sounddateien anbieten.
Die seit 10. September 2006 registrierte Piratenpartei Deutschland ist eine von derzeit sechs in Europa länderweit als Parteien agierenden politischen Organisationen, die sich eine Neuordnung der Rechte an immateriellen Gütern sowie verschiedene bürgerrechtliche Ziele auf die Fahnen geschrieben haben. Sie lehnen das traditionelle politische Spektrum als überholt ab. Zu den Anliegen, die sie vertreten, gehören etwa der Schutz der Privatsphäre vor staatlicher Überwachung und der Kampf gegen die Patentierbarkeit von Software. Den Anfang bildete im Januar 2006 die schwedische "Piratpartiet"; derzeit sind weltweit acht weitere Parteien dieser Art in der Gründungsphase, davon eine in Australien, eine in Kanada und eine in den USA. Sie alle sind in der Dachorganisation "PP International" verbunden.
Bei dem neuen Portal geht es den Betreibern um einen Gegenakzent zur laufenden Verschärfung des Urheberrechts und der Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte sowie der von der EU-Kommission geplanten Ausweitung des Schutzes von Tonaufnahmen von 50 auf 95 Jahren. "Wie man bei einer 50-jährigen Vorlaufzeit von einem plötzlichen Verdienstausfall sprechen kann, ist uns rätselhaft." Darüber, wie hilfreich die konventionelle Rechteverwertung mit ihren Schutzkonzepten in der Praxis für die Künstler ist, wird ohnehin seit längerer Zeit heftig gestritten. So sagte etwa der amerikanische Country-Musiker Lyle Lovett, er habe zwar fast fünf Millionen CDs verkauft, daran aber "keinen Cent" verdient. Nur Live-Auftritte hätten seine Kasse gut gefüllt.
Die Piratenpartei fordert, die kommerziellen Schutzrechte für Wissen und Kulturgüter zu beschränken, anstatt sie immer weiter auszudehnen. Der Versuch, die Verwertungsrechte auf 95 Jahre auszudehnen, sei definitiv nicht im Interesse der Allgemeinheit. Mit dem Portal, das kontinuierlich ausgebaut werden soll, will man daher eine Anlaufstelle für diejenigen schaffen, die sich mit Freier Musik beschäftigen möchten. Solchermaßen verfügbar gemachte Songs würden zum Teil auch das Remixen, Sampeln oder sogar die kommerzielle Verwendung durch Dritte erlauben. Zudem sei nicht mit "Post vom Anwalt" bei der einfachen Nutzung zu rechnen.
Die Vorteile einer Lizenzierung ohne große rechtliche Fesseln versucht Kai Richter, Frontmann der Band pornophonique und Mitglied der Piratenpartei, zu verdeutlichen: Seine Gruppe stelle alle eigenen Songs kostenlos auf ihrer Homepage zum Download parat, um "eine schnelle, unkomplizierte und vor allem weite Verbreitung unserer Lieder zu gewährleisten". Zusätzlich gebe es das Album aber auch als CD in hübscher Verpackung direkt im Online-Shop auf der Seite zu kaufen. Durch den Direktvertrieb sei trotz kleiner Auflage ein günstiger Preis zu halten.
Nach bereits lange zurückliegender Ankündigung hat parallel auch die Kampagne "Respect the Music" des Verbands unabhängiger Musikunternehmen angefangen, ein in Kooperation mit Motor TV betriebenes Videoblog mit Leben zu füllen – geplant sind wöchentlich neue Beiträge. In Interviews sollen auf diesem Weg "die Haltung der Befragten zu Musik und Musikern, die Hintergründe ihrer Beschäftigung mit Musik, aber auch ihre Arbeits- und Lebensverhältnisse" beleuchtet werden. Daneben will man Auszüge aus Artikeln, Studien und Erhebungen einpflegen.
Die Beiträge werden angeblich unter eine "Creative Commons"-Lizenz gestellt, bisher herrscht aber noch das Copyright-Zeichen auf der Website vor. Die Unabhängigen monieren generell, dass Musikfreunde bei der Nutzung unvergüteten Materials zwar klaglos für Breitbandanschlüsse und für iPods zahlen, die Kreativen aber leer ausgehen lassen wollen. Berichtet werden solle daher über die Realität der Mehrheit der Musikschaffenden, statt immer nur ein Augenmerk auf die Piratenjagd oder die "abstrakte Zukunft" des Urheberrechts zu lenken. (Stefan Krempl) / (Stefan Krempl)
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(psz)
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