12.03.2010 07:30
Sommer 1996: Wagniskapitalgeber aus dem Silicon Valley stecken ein paar Millionen Dollar in ein Start-up namens Juniper Networks, das Telekommunikationsausrüstung produzieren will. Drei Jahre und einige Finanzierungen später geht Juniper Networks, das inzwischen ein erstes Produkt fertig hat, an die Börse. Der Profit für die Investoren: 10.000 Prozent. Zu dieser Zeit setzen andere Investoren ihr Geld bei einem Netzwerktechnik-Startup Procket Networks ein. Die Summe ist viel größer als zuvor bei Juniper Networks. Doch der Funke zündet nicht: 2004 übernimmt IT-Ausrüster Cisco die Firma in einem Notverkauf. Diesmal bekommen die Investoren nur einen Bruchteil des von ihnen eingesetzten Kapitals heraus.
Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Geschichten liegt natürlich in dem, was 2000 passierte: Die New-Economy-Blase platzte. In der Rückschau zeigt sich hierin aber auch der Unterschied zwischen dem Image, das Venture Capital (VC) in den 1990ern bekommen hat, und der harten Realität von heute. Noch vor zehn Jahren schienen Wagniskapitalgeber geradezu Alchemisten zu sein: Welches Start-up sie auch anfassten, es verwandelte sich in pures Gold. Von dieser Magie ist nicht viel übriggeblieben
Obwohl Wagniskapitalgeber im vergangenen Jahrzehnt mehr denn je investieren konnten, herrscht also Katzenjammer in der Branche. Ist das Venture Capital Business kaputt? Nicht unbedingt – wenn die Branche begreift, dass ein struktureller und kein konjunktureller Umbruch stattgefunden hat, argumentiert der renommierte Wirtschaftsjournalist James Surowiecki in einer aktuellen Analyse für Technology Review. Der Gesellschaft können erfolgreiche VCs nur gut tun: "Letztlich interessiert uns ja nicht, ob Investoren satte Gewinne einfahren oder gut bezahlt werden. Es geht darum, dass neue Firmen entstehen und Innovationen finanziert werden."
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