04.07.2006 15:02
Bei den Stichwörtern Computer und Schüler denken viele nur an Videospiele mit zweifelhaftem Inhalt oder an so genannte "Killerspiele", für deren Verbot der bayerische Innenminister Beckstein gerade wieder einen Vorstoß machte. Dass es auch anders geht, haben am Dienstag Schüler von 16 Schulen mit einem Aktionstag in Lübeck bewiesen. Sie stellten selbst erarbeitete Projekte zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht vor. Der Aktionstag ist Teil der Initiative Kids in Media and Motion der Universität Lübeck. An dem Projekt beteiligen sich Schulen aus Lübeck, Ahrensburg, Norderstedt, Satrup und Berlin.
Das von der Lübecker Possehl-Stiftung, dem Land Schleswig-Holstein und der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung bis 2007 unterstützte Projekt sei in diesem Umfang weltweit einzigartig, sagte der Direktor des Instituts für Multimediale und Interaktive Systeme der Universität zu Lübeck und Initiator des Projektes, Michael Herczeg. "Wir haben sogar Anfragen aus den USA", betonte Herczeg. Die hier gewonnenen Erkenntnisse sollen in Zukunft in die Aus- und Fortbildung von Lehrern einfließen.
Mitgemacht haben Schüler aller Klassenstufen und aller Schularten. So gehen Schüler der 1. Klasse der Lauerholz-Grundschule in Lübeck mit PDAs in die Natur, um anhand von Bildern und Geräuschen Tiere und Pflanzen zu entdecken. Der fünfte Jahrgang des Lübecker Carl-Jakob-Burkhardt-Gymnasiums hat eine Videoinstallation zum Thema Ernährung auf den Bildschirm gebracht und vier Jahrgänge der Oberschule zum Dom haben gemeinsam eine Mathematik-Ralley durch ihre Schule erarbeitet.
Ziel der 2005 gestarteten Initiative ist es, Kinder vom bloßen Konsum zum kreativen Umgang mit digitalen Medien zu bringen. "Nahezu alle Kinder können heute einen Computer bedienen. Wir wollen ihnen helfen, die Technik zu verstehen und zu erkennen, dass man damit eigenständig Neues schaffen kann", sagte Herczeg. Lehrer und Schulleiter sind vor allem von dem Fächer übergreifenden Ansatz begeistert. "Oft haben Schüler Probleme, eine Prozentrechenaufgabe zu lösen, wenn sie im Wirtschaftsunterricht gestellt wird, weil das Fach ja nichts mit Mathematik zu tun hat. In diesem Projekt wird das vernetzte Denken und Lernen gefördert", sagte der Direktor der Gesamtschule Schlutup, Georg Schopenhauer. Die Schulleiterin der Oberschule zum Dom, Jutta Kähler, deren Schule sich mit zehn Einzelprojekten beteiligt, sieht im Einsatz von Computern einen von vielen Ansätzen für zukunftsweisenden Unterricht. "Es gibt keinen Königsweg, auch das Schulbuch und der Lehrervortrag haben ihre Berechtigung. Auf die wohl dosierte Mischung kommt es an", sagte sie. (dpa) / (dpa)
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(jk)
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