20.07.2007 17:17
Der IT-Dienstleister A&O Group hat beim Amtsgericht Düsseldorf Anträge auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens (Az.: 503 IN 185/07) für die Niederlassungen der A&O iTec GmbH in Neuss, München und Potsdam sowie die A&O 4Tec GmbH mit Sitz in Neuss gestellt. Betroffen sind insgesamt rund 550 Mitarbeiter. A&O hatte im Jahr 2005 die Unternehmensgruppe Sinitec übernommen, eine 100-prozentige Tochter von Siemens Business Services (SBS). Vor dem Verkauf hatte die Konzern-Mutter Siemens mit den hohen Betriebs- und Personalkosten bei Sinitec zu kämpfen, gleichzeitig sanken die Preise für IT-Wartungsdienste. Über die Hälfte der 1100 Mitarbeiter starken Belegschaft sollte gehen, ganzen Standorten drohte das Ende.
Nach der Übernahme wurden die Sinitec-Mitarbeiter in die neu gegründete A&O iTec GmbH integriert. Im Rahmen eines Sanierungstarifvertrags wurde ihnen eine Beschäftigungsgarantie bis 2008 zugesichert. Im Gegenzug verzichteten die Mitarbeiter auf rund ein Fünftel ihres Gehalts und erklärten sich bereit, mehr als einhundert unbezahlte Überstunden zu leisten. Ein Auftragsbestand von Fujitsu Siemens Computers (FSC) sollte eine Mindestauslastung sichern. Vor fast genau einem Jahr zog die A&O-Geschäftsleitung eine positive Zwischenbilanz der Übernahme: Es sei gelungen, 900 Arbeitsplätze zu erhalten, hieß es damals.
Im Mai 2007 gründete A&O mit der 4Tec GmbH dann wiederum eine neue Gesellschaft, in die die einstigen Sinitec-Mitarbeiter wechseln mussten. Branchenkreisen zufolge sollte damit offenbar die Beschäftigungsgarantie unterlaufen werden. Auch mussten die nun in der 4Tec GmbH Beschäftigten weitere Einkommenseinbußen von bis zu 50 Prozent sowie längere Arbeitszeiten hinnehmen. A&O-Chef Michael Müller erklärte dies damals mit dem schwierigen Marktumfeld und wies darauf hin, dass die neuen Bedingungen mit der Gewerkschaft abgesprochen worden seien. So soll es einen Tarifvertrag geben, der vom 2. Vorsitzenden der IG Metall, Berthold Huber, und von IG-Metall-Vorstand Gerd Nierenköther unterzeichnet wurde.
Die IG Metall steht nun aber auf dem Standpunkt, dass es sich bei dem unterschriebenen Dokument mit dem Titel "Anerkennungstarifvertrag" keineswegs um einen verbindlichen Tarifvertrag handelt, vielmehr habe man in dem Schriftstück lediglich den aktuellen Verhandlungsstand formuliert und festgehalten. Daraufhin gab A&O-Chef Müller nach Informationen der Computerwoche ein forensisches Gutachten in Auftrag, das belegen soll, dass die Gewerkschaftsvertreter den Inhalt des Dokuments "in vollem Bewusstsein über die Tragweite ihres Handelns" unterzeichnet haben.
Der Ton zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretern hat sich längst verschärft. "Wenn A&O-Gesellschaften trotz Auftragsgarantien und Zugeständnissen der Beschäftigten pleite machen, ist das unternehmerisches Versagen in der schlimmsten Form", erklärte jetzt Horst Lischka, 2. Bevollmächtigter der IG Metall München. Zudem frage man sich: Wo ist das Geld aus den FSC-Aufträgen hingeflossen, und wie kann es zur Insolvenz von zwei A&O-GmbHs kommen, wenn die A&O-Gruppe sich weiter für gesund hält? Letzteres bestätigt A&O-Chef Müller: Nur 4Tec würde rote Zahlen schreiben, die anderen Unternehmensteile der A&O-Gruppe, zu der seit Ende 2006 auch die EDS-Tochter Global Field Services (GFS) mit rund 3000 Mitarbeitern gehört, arbeiteten wirtschaftlich.
(pmz)
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