08.07.2008 13:47
Die EU-Kommission drängt auf Ausbau der Atomenergie und hat dazu durch eine Eurobarometer-Umfrage erkunden lassen, wie die Menschen in der EU dazu stehen. Für die Umfrage wurden im Februar und März über 26.000 EU-Bürger befragt.
Das Ergebnnis: Gegenüber 2005 ist die Unterstützung von Atomenergie von 37 Prozent auf jetzt 44 Prozent gewachsen. 45 Prozent sprechen sich allerdings noch immer gegen Atomenergie aus. Bürger von Ländern, in denen es bereits Atomkraftwerke gibt, befürworteten die Atomenergie eher, heißt es in der Studie. Ausnahmen seien Spanien und Rumänien. Möglicherweise, so wird spekuliert, liege der Grund für die geringe Unterstützung aber darin, dass hier viele Menschen nicht wüssten, dass es in ihrem Land überhaupt Atomkraftwerke gibt. Der "niedrige Grad an Kenntnis der Situation im eigenen Land" sei Schuld an der getrübten Einstellung.
In Österreich, auf Zypern und in Griechenland gab es die geringsten Zustimmungsraten. In Deutschland liegt die Zustimmung mit 46 Prozent über dem Durchschnitt, in der Tschechischen Republik, Litauen, Ungarn, Bulgarien, Schweden, Finnland und der Slowakei sind 60 Prozent und mehr für die Atomenergie. Zugenommen hat die Unterstützung von Atomenergie gegenüber 2005 in Italien, Polen, Irland und Griechenland. In Deutschland ist die Zustimmung um 8 Prozent gestiegen. In Schweden, Ungarn, Malta, Zypern und Lettland ist die zahl der Befürworter von Atomenergie hingegen kleiner geworden. In Frankreich und Belgien ist die Haltung unverändert geblieben.
Die Position gegenüber der Atomenergie ist auch eine Geschlechterfrage: Während über die Hälfte der Männer für den Einsatz von Kernkraftwerken ist, spricht sich die Mehrheit der Frauen dagegen aus. Die Umfrage will aber noch mehr herausgefunden haben: So würde die Zustimmung zur Atomenergie mit dem Ausbildungsniveau steigen, politisch fände man die Befürworter eher im rechten Spektrum, Führungskräfte sehen Atomenergie positiver "als andere Berufsgruppen".
Diejenigen, "die von sich selbst behaupten, gut über das Thema radioaktiver Abfälle informiert zu sein, stehen der Produktion von Kernenergie deutlich positiver gegenüber, als jene Befragten, die meinen, eher schlecht informiert zu sein", bilanziert die Studie weiter. Wenn es eine "dauerhafte und sichere Lösung für die Lagerung radioaktiven Abfalls" gäbe, würde allerdings das Lager der Gegner erheblich kleiner werden. Allerdings sagen 70 Prozent der Befragten, sie könnten sich keine sichere Lösung vorstellen.
Die EU-Kommission zieht aus der Umfrage eine für sie positive Bilanz und stellt ein Umdenken zugunsten der Atomenergie fest: "Der Erhebung von 2008 zufolge ist die Unterstützung der Kernenergie in der Europäischen Union seit 2005 gewachsen. Der Zuspruch ist in den Ländern am höchsten, in denen Kernkraftwerke in Betrieb sind und in denen sich die Bürger über die Fragen im Zusammenhang mit radioaktiven Abfällen als gut informiert betrachten. Fast zwei Drittel der EU-Bürger erkennen inzwischen an, dass die Kernenergie entscheidende Vorteile hat, wie die Diversifizierung der Energiequellen, die Abnahme der Abhängigkeit vom Erdöl und die Verringerung der Treibhausgasemissionen."
Telepolis hat eine Umfrage zum Thema gestartet. Mit steigenden Energiepreisen und der Notwendigkeit, die CO2-Emissionen zu reduzieren, gibt es eine Renaissance der Atomkraft: Ist in Deutschland ein Ausstieg aus dem Ausstieg fällig?
(fr)
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