14.08.2009 10:34
Wer in den Urlaub fährt, sollte – vor allem, wenn er fliegt – ein schlechtes Gewissen haben oder zumindest eine CO2-Buße leisten, wenn es nach Klimaschützern geht. Der WWF hat in dem Bericht Der touristische Klima-Fußabdruck 2009 – ein wenig spät für die Reisezeit, man will den Menschen offenbar den Urlaub doch nicht vermiesen – einmal ausgerechnet, was Ferienreisen an zusätzlichen Treibhausgasen verursachen.
Bild: WWF
Ein Mallorca-Urlaub für zwei Wochen schlägt mit 1221 kg zusätzlicher CO2-Emissionen zu Buche, was einem Jahr Autofahren entspreche. Vor allem die Reise mit dem Flugzeug schlägt mit 925 kg durch. Die Unterkunft verursacht 148 kg, die Verpflegung 91 kg und Aktivitäten vor Ort 58 kg CO2. Für eine Reise nach Mexiko wird pro Person sogar mehr als 7 Tonnen CO2 emittiert.
Wenn schon weg, dann würde klimakorrekt ein Urlaub im eigenen oder in einem benachbarten Land sein. Bei einem Ostseeurlaub ist man nur für zusätzliche 258 kg oder bei einem Herbsturlaub in Oberstdorf nur für 297 kg verantwortlich, weil die Reise weniger CO2 verbraucht. Bleibt man Zuhause, verwirklicht man nahezu einen guten Nullenergieurlaub. Nach dem WWF fallen dann aber trotzdem bescheidene 58 kg an, weil man ja auch etwas anderes als sonst macht und einige Ausflüge unternimmt.
Zu vernachlässigen ist der Tourismus jedenfalls nicht, wenn es um die CO2-Emissionen geht, immerhin soll er für 5 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich sein. Obgleich nur 3 Prozent der Fernreisen mit dem Flugzeug geschehen, sind Flugzeugreisen für 17 Prozent der Emissionen verantwortlich.
Die Deutschen sind, erklärt WWF-Tourismusexpertin Petra Bollich, touristisch kein Vorbild: "Würden alle Menschen wie die Deutschen reisen, würden sich die weltweiten Reiseemissionen vervierfachen." Aber der WWF hegt Hoffnung: Nach einer Umfrage wollen sich 43 Prozent als Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen für "ein Urlaubsziel in der Nähe" entscheiden oder haben es schon gemacht. Da könnte natürlich auch die Wirtschaftskrise durchschlagen. 20 Prozent wollen künftig nur Reisen buchen, die umweltverträglich sind, 10 Prozent sagen, sie reisen schon jetzt so, dass gewisse Umweltstandards eingehalten würden.
76 Prozent der Deutschen machen mindestens eine Urlaubsreise im Jahr. Im Inland liegt Bayern als Reiseziel an der Spitze. Interessant ist die Beobachtung, dass "Menschen mit höherer Bildung und höherem Einkommen angesichts des Klimawandels überraschend wenig bereit (sind), ihr Reiseverhalten zu Gunsten umweltfreundlicherer Alternativen zu ändern."
Der WWF will Tourismus nicht generell madig machen und empfiehlt Reisen, die "Lust auf Natur" machen sollen. Ein Teil der Kosten soll in Naturschutzarbeit fließen. Da geht es denn schon auch mal nach Brasilien in den Regenwald, nach Borneo, Namibia oder Madagaskar, aber auch nach Rügen oder zum "Biberpaddeln in der Uckermark". (Florian Rötzer)
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(fr)
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