18.09.2007 15:56
Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) sieht im zunehmenden Konkurrenzdruck durch elektronische Medien eine Chance für die Tageszeitung. Vom gestiegenen Kommunikationsinteresse vor allem junger Menschen könne das Medium Tageszeitung profitieren, sagte BDZV-Präsident Helmut Heinen beim Deutschen Zeitungskongress heute im baden-württembergischen Rust. Die Tageszeitung sei auch bei Heranwachsenden beliebt, sie habe eine unverändert große Bedeutung. Nötig seien jedoch veränderte Formen. Die Zeitungen müssten gemeinsam mit ihren Lesern neue Wege der Kommunikation finden. Sinnvoll sei beispielsweise der Ausbau des Internetangebots.
"Es geht darum, die Erwartungen des Publikums an den Informations- und Kommunikationsmarkt mit den publizistischen Möglichkeiten eines Zeitungsverlags in Einklang zu bringen", sagte Heinen. "Die Zeitungshäuser müssen sich zu komplexen Medienhäusern oder Multiplattform-Unternehmen entwickeln." Dadurch könnten sie neue Leser gewinnen.
"Die Grundlage ist da, wir müssen das Interesse aber aufnehmen", sagte Heinen. Nach seinen Angaben lesen in der Altersgruppe der 14- bis 19-Jährigen 48 Prozent eine Tageszeitung. Bei den 20- bis 29-Jährigen seien es 59 Prozent. Elektronische Medien würden aber auch für Zeitungsleser immer interessanter.
"Die bisherigen Internetaktivitäten der Zeitungen entwickeln sich äußerst positiv", sagte Heinen. Die Verlagsangebote erreichten schon jetzt 34 Prozent der Internetbenutzer in Deutschland. Wichtig sei, dass das Angebot qualitativ hochwertig sei. Die Inhalte müssten stimmen, Journalismus und Werbung müssten auch im Internet klar getrennt werden. "Angesichts der weiter wachsenden Flut an Informationen, die Tag für Tag über uns hereinbricht, wird die Lotsenfunktion der Zeitungsredaktionen an Bedeutung gewinnen", sagte Heinen. Wirtschaftlich spiele das Internet für die Zeitungsverlage bislang keine große Rolle.
"Print und Telekommunikation ist eine viel versprechende Konstellation", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, René Obermann. Zwischen Zeitungsverlagen und Online-Medien gebe es viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit. "Das veränderte Nutzerverhalten führt dazu, dass sich die verschiedenen Medien miteinander vernetzen müssen", sagte Obermann. Er sehe dies an seiner 13-jährigen Tochter. "Morgens liest sie Zeitung, nachmittags surft sie durchs Internet." Dies sei die Mediennutzung der Zukunft. "Und es ist besser als mit pubertierenden Jungs auf der Parkbank zu sitzen", sagte Obermann.
Der Frankfurter Marketing-Experte Lothar S. Leonhard sagte, Online-Medien und Zeitungen könnten kooperieren. Wichtig sei jedoch, dass der Inhalt der Tageszeitung nicht beliebig werde. "Die Zeitung ist anerkannt als glaubwürdige und seriöse Quelle von Informationen." Der Schwerpunkt der Verleger müsse auch zukünftig die gedruckte Zeitung sein. "In der Rolle als meinungsbildendes Medien hat die Tageszeitung ein Monopol", sagte Leonhard. Dieses Alleinstellungsmerkmal müsse genutzt werden. (dpa) / (dpa)
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(anw)
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