06.09.2002 10:46
Edmund Stoiber (CSU) kostet 40 Euro, Gerhard Schröder (SPD) ist für 125 Euro zu haben. Den Kanzler und den Kandidaten gibt es im Internet in vielen Varianten, so auch als Aufsteller in Lebensgröße. Ob Bierdeckel, Badeschlappen oder Mousepad: Die Zeiten, in denen Wahlkampf aus einem bunten Fähnchen für die Kinder und einem Kugelschreiber für die Eltern bestand, sind vorbei. Die Wahl ist bunt -- das zeigt sich besonders im Internet. Zwischen Politik und Bildung, Werbegag, Spiel und Klamauk liegt oft nur ein kleiner Klick.
Beim Online-Auktionshaus eBay wurden sogar Wählerstimmen zum Verkauf angeboten -- manchmal aus Spaß, manchmal aber auch mit politischer Botschaft, sagt eBay-Sprecher Joachim Guentert. Die interne Kontrolle des Unternehmens versuche solche Angebote so schnell wie möglich vom Netz zu nehmen. Schließlich ist der Verkauf von Stimmen gemäß Paragraf 108 b Strafgesetzbuch verboten. Erlaubt ist dagegen das Online-Angebot von politischen Souvenirs, wie etwa dem CDU-Schnapsglas aus den 70er Jahren oder dem SPD-Plakat von 1932.
Wer im Internet einen Streifzug durch die Shops der Parteien unternimmt, merkt: Hier sind Heerscharen von Marketingstrategen am Werk, versuchen, für Partei und Produkt immer neue Slogans zu finden. Selbst das kleine Stück Traubenzucker ist zum Beispiel der SPD noch für "Mund-zu-Mund-Propaganda" gut. Auch beim Angebot von Kondomen wimmelt es vor Kalauern. "Wir lassen keinen hängen", heißt es dazu im PDS-"Fanshop". Fernseh-Moderator Stefan Raab hielt feixend ein Kondom der Jungen Union Nordrhein-Westfalen mit dem Slogan "Black is Beautiful" in die Kamera.
Abseits vom Stand in der Fußgängerzone, großen Wahlplakaten und Fernsehspot hat sich das Internet zu einer Spielwiese für den Wahlkampf entwickelt. Für die Unentschlossenen gibt es den Wahl-O- Mat, "Wer wird Koalitionär?", heißt es bei der PDS unter der Internetrubrik "Ein Kessel Buntes", hier kann der Nutzer beim Computerspiel die bundespolitischen Karten neu mischen. Wer mit keinem der Kandidaten zufrieden ist, setzt in der virtuellen Welt den Kanzlergenerator in Gang und bastelt sich am Bildschirm aus den Bildern der Spitzenkandidaten einen "Schroiber" oder einen "Fischerwelle". Beim ebenfalls kursierenden Bundescasting werden Stoiber, Westerwelle und Möllemann mit faulen Tomaten und dem Bayernkurier beworfen.
Spiele wie Letztgenanntes hat Manuela Baldauf, Autorin des Buches "Wahlkampf im Web", auf Seiten des Negative Campaigning gefunden. Das sind gezielte Angriffe auf den politischen Gegner, wie sie vorher vor allem beim US-Fernsehwahlkampf zu sehen waren. "Ob derartige Auftritte im Netz gut ankommen, ist schwer zu sagen", sagt sie. Überhaupt ist noch offen, welche Rolle das Internet spielt. "In Deutschland gibt es dazu noch kaum differenzierte Erkenntnisse, da dieser Bundestags-Wahlkampf der erste ist, der wirklich im Internet geführt wird."
Zu Informationen über die Bundestagswahl im Internet siehe auch:
(Caroline Bock, dpa) / (Caroline Bock, dpa)
/
(jk)
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