25.07.2010 00:05
Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.
Was war.
*** Aus Windows 7 ergibt sich plus 7 Prozent oder 62,48 Milliarden US-Dollar. Der überall ausgerufene Tod des PC scheint eine feine Sache zu sein, zumindest für Microsoft. Da mögen andere ihre Bilanzen mit Hilfe von Intels Wohngeld-Stütze schön rechnen, wohl auch in Seattle um ein kleine Spende anhalten, doch was juckt es die Software-Eiche, wenn ein armes Hardware-Schwein sich an ihr reibt. Da mag die Suchmaschine Verluste machen und die Xbox sowieso, wenn in tiefer, lauer Sommernacht das Software-Rätsel gelöst ist: Das Schreiben von hübsch verpacktem Code ist der Stoff, von dem die Branche lebt. Besonders hübsch sind die Ergebnisse in Deutschland ausgefallen, wie Microsoft-Chef Ralph Haupter verkündete: "Microsoft wächst in Deutschland auf Kosten des Wettbewerbs, insbesondere im Servergeschäft. Wir haben Oracle im Bereich Datenbanken überholt und sind im Bereich Virtualisierung zweistellig gewachsen. Wir konnten zahlreiche Lotus Notes Kunden zum Wechsel auf Exchange überzeugen."
*** Software ist nicht nur der Stoff, von dem alles abhängt, sondern das Thema des zweiten Teils unseres kleinen Sommerrätsels. Wie üblich gibt es 10 Fragen, die im Forum, auch gegen die schrecklichen Nachrichten aus Dusiburg, in einer lauschigen Sommernacht, am Sonntag und bis Montagmittag beantwortet werden können. Es ist nicht so heiß wie an jenem 24. Juli 1936, als in den USA der bislang heißeste Tag in einer Hitzewelle gemessen wurde, die zu Staubstürmen führte, zum Dust Bowl, der die Ärmsten der Armen vertrieb, viele davon ins Silicon Valley zum Pflücken von Trauben und Pfirsichen.
Frage 1: Blitze in den Himmel schleudern gegen die Hitze? Um welche Software handelt es sich?
Also Frage 1: Blitze in den Himmel schleudern gegen die Hitze? Um welche Software handelt es sich?
Und gleich weiter zu Frage 2: Nomen est omen. So kam man unter die Top 20 der Branche. Welche Firma ist gemeint?
*** Zu einem richtigen Sommer gehört -- nein, nicht ein Sammelsurium an Internet-Thesen, das ginge auch derzeit. Aber eigentlich ist es das Sommerloch, in dem sich allerlei Getier tummelt. In diesem Jahr ist es offenbar der Offliner, der für Gesprächsstoff sorgen soll. Bewundernd interviewt die taz ein solches Untier namens Christoph Koch, das wunderbarerweise 40 Tage auf Internet und Mobiltelefon verzichten konnte – und prompt ein Buch darüber geschrieben hat. 272 Seiten für 12,95 Euro. In den Untiefen von Loch Sommer geht es absonderlich gefährlich zu, wenn der Steuerberater mit Mails auflauert und der freie Journalist "Geld verliert", weil er Aufträge nicht angenommen hat. Aber nach 40 Tagen musste er wieder ran, die ELSTER-Meldung ans Finanzamt schicken. "Ich bin dann mal offline" konkurriert mit "Ohne Netz", einem Buch von Alex Rühle. 220 Seiten für 17,95 Euro, der Aufschlag hat einen triftigen Grund: Das Ungeheuer hat es ein halbes Jahr ohne Netz ausgehalten. Passend dazu serviert der Spiegel eine schnell gestrickte hübsch illustrierte Geschichte, für die Rechercheure einen halben Tag offline waren. Wer kommt dabei nicht in Versuchung, den erdschüttelnden "Ubergod" zu zitieren, dessen TAOCP immer noch die wichtigste Einführung ins Metier der Software-Produktion gehört und generell die Antwort auf alle Fragen ist. Am 1. Januar 1990 ging er offline, um sich aufs Bücherschreiben zu konzentrieren.
Da wird es Zeit für Frage 3: "Perseus gab den Menschen das Feuer", fabulierte ein begeisterter Knuth-Bewunderer, die "übermenschliche" Leistung von Donald Knuth bei der Entwicklung von TeX im historischen Kontext feiernd. Ähnlich kurios geht es zu, wenn Knuths erstes größeres Programm genannt wird. Was machte es?
Es ist fast schon faszinierend, mit welcher Logik sich daraus Frage 4 ergibt: Mit MIX propagierte Donald Knuth selbstmodifizierenden Code. Welche CPU unterstützte in ihrem Befehlssatz diese Technik?
*** Während die gelehrten Reflektionen auf das Offline-Sein sehr an die parallel geführte sommerliche Diskussionen über die Homöopathie erinnern, hat der Chaos Computer Club seine elf Thesen zur Netzpolitik veröffentlicht, eine Art Antwort auf die 14 Thesen des Bundesinnenministers. Richtige Überraschungen sind nicht dabei, doch wer vergleicht, kommt schnell auf den grauslichen Umfäller des Sommers, an dem sich die Geister scheiden. Hinter dem von beiden Seiten benutzten hübschen Wort von der Netzneutralität verstecken sich zwei sehr unterschiedliche Konzepte. Da setzen zwei Freunde mit unterschiedlichen Akzenten zu einem Leberhaken an. Netzneutralität ist für sie die flächendeckende Internet-Versorgung fern der Ballungszentren und das Angebot von etwas De-Mail. Das sieht der CCC ganz anders. Kann Constanze Kurz im Kostüm der Superwomen kontern?
Was mich zu Frage 5 bringt: Netzneutralität hin, Netzneutralität her – das Internet ist eine relativ neue Erfindung der Menschheit. Lange bevor es das Internet gab, gab es den Browser und FTP. Was bedeuteten diese Worte vor dem Internet?
Apropos Software:Frage 6: Jeder weiß, dass gute Software wie Bananen beim Verbraucher reifen muss. Dennoch gibt es Beta-Software. Wer führte den Begriff ein und hielt sich bis wann an die offizielle Definition?
*** Die Diskussion um das böse Internet mit diesen "rechtsfreien Räumen", für das ganz schnell Informatiker zu Pflugscharen umgeschult werden müssen, ist ohne einen verspenglerten Unterton nicht denkbar. Im Auf- und Ab des Kommens und Gehens großer Kulturen, gibt es nach den Vergleichen von Oswald Spengler eine Phase, in der eine Kultur beginnt, sich zu verzetteln. Ehedem feste Prinzipien greifen nicht mehr, die Menschen können sich nicht mehr auf ein Ziel konzentrieren. Für die Jahre 2000 bis 2200 sagte Spengler das Heraufdringen urmenschlischer Zustände in eine hochzivilisierte Lebbenshaltung voraus, die Welt als Beute für neue Wilde. Die mangelnde Fähigkeit zur Konzentration unter dem Beschuss des Multitasking rafft die europäische Aufklärung dahin, aus selbstbestimmten Menschen werden "Gadget Lover", wie Marshal McLuhan in seinem Buch Understanding Media beschrieb. Gedankenarme Menschen, die ihre Gadgets befruchten, bis sie selbst überflüssig geworden sind, in schierer Abhängigkeit von dümmsten Nebensächlichkeiten.
Frage 7: Parallel zum Internet entwickelte sich Multitasking auf dem PC zu einer eigenen Kunstform. Wie heißt die Firma mit dem abgebildeten Logo, die mit ihrem Konzept sehr erfolgreich war?
Nun gut, Frage 7: Parallel zum Internet entwickelte sich Multitasking auf dem PC zu einer eigenen Kunstform. Dieses Bild zeigt das Logo einer Firma, die mit ihrem Konzept sehr erfolgreich war. Wie hieß die Firma?
Und um einen Blick in die Vergangenheit der Zukunft zu werfen, hier Frage 8: Als Antwort auf die komplexe Vertaskung der Lebensumstände gilt das Konzept der Lifestreams, das David Gelernter entwickelte. In aller Kürze zusammengefasst, wird das Konzept von Dateien und Ordnern, von Ereignissen und Terminen durch einen Zeitstrahl abgelöst. Eine deutsche Softwarefirma nahm das Konzept auf und startete die Alternative, den Anwender vor den Abhängigkeiten veralteter Konzepte zu retten und das Multitasking zu reduzieren. Wie hieß die Firma? Alternativ: Wie hieß die Software?
*** Während wir die Toten von Duisburg betrauern, will ich doch an Willem Breuker erinnern, der uns am Freitag verließ und den wir sehr vermissen werden. Der Clown des Free-Jazz verstand sein Saxophon für die Freiheit und für die Melancholie zu blasen, wenn das Willem Breuker Kollektief zu frei imrpovisierter Zirkusmusik ansetze, dann tanzten die Artisten für die Zuhörer ganz real in die Manege. Ich schätze mich glücklich, das Kollektief live erlebt zu haben. Allen, die dieses Glück nicht hatten, seien die Alben und vereinzelte Videos ans Herz gelegt.
Was wird.
An dieser Stelle sollte ein heiteres Geplänkel über den bevorstehenden Sysadmin Day folgen, an dem die Conquistadoren der Server mit ihren geheimnisvollen Kräften geehrt werden, gefolgt von einem Blick auf die Olympischen Spiele der Schwulen und Lesben in Köln mit ihrem animierenden Programm. Zum Abschluss ein Blick auf die Politik, die sich in die "Sommerpause" gerettet hat, komplett mit einer Apothekenverordnung, die Platz schaffen soll für die Infoterminals der elektronischen Gesundheitskarte. Doch nun hat sich an die Fortsetzung des One Digital Day nicht nur das Life in a Day gemacht. Die von der Duisburger Loveparade gemeldeten Toten mahnen zur Dämpfung sommerlicher Spässeken. Witzeleien über den Kontrollverlust in der Moderne klingen abgeschmackt, wenn Menschen in einem Tunnel sterben müssen, weil sich ein Massenevent nicht wie geplant kontrollieren ließ. Erstaunlich nur, dass die Veranstalter im Vorfeld meinten, den Trubel auf dem viel zu kleinen Platz wirklich steuern zu können. Wo ist nur der vom Herzen gefallene Stein der Erleichterung, mit dem besorgte Eltern werfen wollen?
Frage 9: Welche Software stellt Eric Schmidt hier vor?
Bleiben zum Abschluss nur Frage 9: Welche Software stellt Eric Schmidt hier vor?
und natürlich Frage 10: Eric Schmidt verweist schon auf den nächsten Teil des Sommerrätsels, in dem die Whetware Thema sein wird. Bis dahin die Frage, was denn Appendixware ist. (Hal Faber)
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(jk)
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