25.01.2010 14:39
Die US-Weltraumagentur NASA hatte am vergangenen Freitag gemeldet, dass die Besatzung der internationalen Raumstation ISS nach „einem speziellen Software-Upgrade“ nun direkten Zugang zum Internet habe. ISS-Ingenieur Timothy Creamer nutzte die Möglichkeit, um seinen ersten Live-Tweet aus dem Weltraum abzusetzen – bisher wurden die Kurznachrichten von der ISS vom Kontrollzentrum aus in den Mikroblogging-Dienst eingegeben.
Auch Jeff Williams und Soichi Noguchi, die sich zurzeit ebenfalls auf der Station befinden, wollen in Zukunft unter www.twitter.com/NASA_Astronauts live von der ISS twittern. Die Internet-Verbindung zur Raumstation ist allerdings nur indirekt: Über Funk ist die ISS mit einem Citrix-Server verbunden, auf dem die eigentlichen Internet-Anwendungen laufen. Zurzeit ist nur ein Client auf der ISS mit dem Server verbunden – insgesamt sollen aber bis zu vier Clients angebunden werden.
Das Konzept eines „Solar System Internet“ sei trotz aller technischer Schwierigkeiten hoch interessant, weil damit die Interoperabilität der verschiedenen Raumfahrt-Systeme enorm verbessert werde, erklärt Rheinhold Bertrand von der europäischen Raumfahrtagentur ESA. Zwar sei IP-Datenverkehr im niedrigen Erdorbit grundsätzlich bereits getestet worden. Generell müsse man aber bei der Nutzung von Internet-Protokollen im All mit Verbindungsunterbrechungen, langen Signalverzögerungen und großen Ausbreitungsverlusten kämpfen. Als mögliche Lösung – auch für IP-Verkehr über interplanetare Distanzen hinweg – werde deshalb über die Einrichtung eines so genannten „Disruption Tolerant Network“
diskutiert. In einem solchen Netzwerk, das als Overlay-Struktur in TCP/IP integriert werden könnte, speichern die einzelnen Knoten die Datenpakete so lange, bis sie wieder eine Verbindung zum jeweils nächsten Knoten haben.
(wst)
Version zum Drucken | Per E-Mail versenden | Newsletter abonnieren
Permalink: http://heise.de/-912403
Mehr zum Thema Raumfahrt
Maschinen-Megalomanie: Es sind erstaunlich kleine Dinge, die Großtechnologien zu Fall bringen.
Japans Fahrstühle gehören nicht nur zu den schnellsten der Welt. Sie fahren sogar so sanft, dass eine auf die Kante gestellte Münze nicht umfällt.
Was eine Zentralheizung wert ist, merkt man erst, wenn man anfängt, mit seinem Ofen zu sprechen.