07.07.2008 13:55
Der Wissenschaftsrat sieht dringenden Handlungsbedarf, um die Qualität von Lehre und Forschung an den deutschen Hochschulen zu verbessern. Er fordert die Lehrenden zur Weiterbildung und die Studierenden zu mehr Verantwortungsbewusstsein auf. Die Hochschulen sollten nach den heute vorgestellten Empfehlungen (PDF-Datei) des Wissenschaftsrats innerhalb von bis zu fünf Jahren ein System zur Qualitätsentwicklung aufbauen. Besonders dringend erforderlich seien bedarfsgerechte Betreuungs- und Beratungsangebote.
"Das Engagement für Lehre muss sich lohnen, daher muss es Leistungsanreize für gute Lehre geben. Gleichermaßen müssen belastbare Verfahren der Bewertung von Lehrleistungen weiterentwickelt werden", heißt es in einer Mitteilung des Wissenschaftsrats. Er hat in der deutschen Wissenschaftspolitik ein gewichtiges Wörtchen mitzureden, denn er ist in diesem Bereich das wichtigste Beratungsgremium der Bundes- und Länderregierungen.
Entwicklung der Betreuungssituation an deutschen Hochschulen
Bild: Statistisches Bundesamt
Zur Finanzierung der Vorschläge seien zusätzliche Mittel nötig. Hier habe der Wissenschaftsrat vorsichtig kalkuliert und dabei nur Mindestanforderungen zur Verbesserung der Lehre berücksichtigt. Doch selbst dann seien pro Jahr zusätzliche 1,1 Milliarden Euro nötig. Davon müssten allein 357 Millionen Euro jährlich für bessere Betreuung in stark nachgefragten Fächern aufgewendet werden. Weiter heißt es, rund 480 Millionen Euro würden benötigt, um die Qualität der Lehre zu steigern, beispielsweise durch Tutorien und Personal für Beratung von Studienanfängern und Unterstützung der Lehrenden bei der Lehrorganisation. Außerdem sollten für 15 Millionen Euro jährlich Fachzentren für die Hochschullehre eingerichtet werden, die die fachspezifische Weiterentwicklung der Lehre unterstützen sollen.
"Bei intensivem Wettbewerb um Drittmittel in der Forschung ist in letzter Zeit das Bewusstsein für die Bedeutung der Lehre gewachsen – und das muss es auch, wenn Lehre und Forschung einen Zusammenhang bilden und die Studienreform gelingen soll", erläuterte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Professor Peter Strohschneider zum heute vorgestellten Konzept. Den Hochschulen werde zunehmend klar, dass die Qualität der Lehre eine entscheidende Rolle spielt, wenn sie den wachsenden Anforderungen von Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur gerecht werden wollten.
Unterdessen hat das Statistische Bundesamt bekannt gegeben, dass Ende des vergangenen Jahres 37.700 Professoren an deutschen Hochschulen lehrten. Während die Gesamtzahl in den vergangenen zehn Jahren nahezu unverändert geblieben sei, sei der Frauenanteil im Vergleich zu 1997 von 9 auf über 16 Prozent angestiegen. Die Zahl der Professorinnen habe 2007 mit rund 6100 einen neuen Höchststand erreicht.
Besonders stark sei mit jeweils 28 Prozent der Anteil der Hochschullehrerinnen in der Fächergruppe Sprach- und Kulturwissenschaften sowie der Fächergruppe Kunstwissenschaften. Am deutlichsten unterrepräsentiert seien Professorinnen in den Fächergruppen Ingenieurwissenschaften mit 8 Prozent sowie Mathematik und Naturwissenschaften mit jeweils 11 Prozent.
(anw)
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