05.08.2009 16:54
Ist VoiceOver aktiviert, lassen sich auf dem iPhone verschiedene Inhalte vorlesen.
Bild: Apple
Marco Zehe, Qualitätsbeauftragter für Barrierefreiheit bei Mozilla und selbst blind, hat nach einmonatiger Nutzung des iPhone 3GS mit VoiceOver in seinem Blog nun über erste Erfahrungen berichtet. Der auf dem neuen iPhone über die allgemeinen Einstellungen unter dem Menüpunkt Bedienungshilfen aktivierbare Screenreader VoiceOver macht nahezu alle Funktionen des Geräts auch für blinde Menschen nutzbar.
Anwendungen aus dem App-Store sind aufgrund der Verwendung von Standard-UI-Komponenten zum Teil bereits gut zugänglich. Für einzelne Bedienelemente fehlen aber oft noch Textlabels und auch manch anderes Detail bleibt für den Sprachausgabennutzer bislang noch gewissermaßen unsichtbar. Apples Accessibility Programming Guide gibt iPhone-Entwicklern wichtige Hinweise, wie sie ihre Applikationen für die Nutzung mit VoiceOver kompatibel machen können. Es wäre denkbar, dass Apple eine Befolgung dieser Richtlinien künftig auch als ein weiteres Kriterium bei Programm-Zulassungen für den App-Store berücksichtigt.
Screenreader-Lösungen für Mobil-Betriebssysteme, die die Benutzung gängiger Mobilgeräte auch für blinde Menschen ermöglichen, gibt es bereits seit einigen Jahren. Solch eine Screenreader-Software kostete in der Vergangenheit aber fast noch einmal so viel wie das Mobiltelefon selbst. Die Entwickler dieser Hilfsprogramme wurden außerdem meist nicht genügend von den Betriebssystem-Herstellern unterstützt. Ein direkt in das OS integrierter Screenreader und entsprechende APIs bieten dagegen wesentlich bessere Möglichkeiten.
Apples Implementierung der kostenlosen VoiceOver-Lösung in das iPhone wird von vielen blinden und stark sehbehinderten Menschen weltweit daher als eine Art "sprechende Revolution" wahrgenommen. Das iPhone 3GS ist nicht nur das erste vollständig blind bedienbare Touchscreen-Gerät der Welt, sondern bietet auch Menschen mit Seh- oder Hörproblemen spezielle Hilfen wie Vergrößerung oder weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund.
Apple hat einen Accessibility-Standard gesetzt, den man sich auch bei Android, Symbian, Windows Mobile und den Blackberrys wünscht. Bei RIM wird bereits an einer Accessibility-Strategie gebastelt und Googles Projekt Eyes-Free soll künftig auch Android-Geräten das Sprechen beibringen. Sehende Analphabeten könnten sich damit theoretisch eigenständig das Lesen und Schreiben beibringen, zumindest aber einen Zugang zu mobilen Kommunikations- und Informationstechnologien bekommen.
Siehe dazu auch:
(Per Busch) / (Per Busch)
/
(jr)
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