Die Software-Auswahl ist wie bei OpenSuse gewohnt reichhaltig. Schon auf der Installations-DVD findet man Anwendungen für jeden Zweck. OpenOffice 2.4.1 kümmert sich um den Bürokram, Gimp steht zur Bildbearbeitung bereit und bei den Browsern hat man die Wahl zwischen Firefox 3 und Konqueror. Seine E-Mails kann man mit Thunderbird, Evolution oder K-Mail lesen, zum Chatten liegen Kopete, Konversation und Pidgin bei.
Im Multimedia-Bereich ist die Grundausstattung weniger üppig, allein der Realplayer kommt mit Audiodateien im MP3-Format zurecht. Über die in der Repository-Verwaltung einrichtbaren Community-Quellen lässt sich jedoch mit wenigen Mausklicks die Multimediaunterstützung für die meisten Formate nachrüsten. Aus dem Packman-Repository erhält man beispielsweise zusätzliche Codecs für Kaffeine und Totem sowie ein MP3-Plug-in für das Brennprogramm K3b, das nach dessen Installation auch Audio-CDs aus MP3-Dateien erzeugen kann. Ebenfalls interessant für Audio- und Videophile ist das VLC-Repository, dass den Video Lan Client einspielt, der selbst eine große Codec-Auswahl mitbringt.
Für alle, denen die Software-Auswahl zu klein ist und die nach wie vor auf den Einsatz einiger Windows-Programme angewiesen sind, liegt der Release Candidate von Wine 1.0 bei. Will man ein ganzes Windows-System laufen lassen, greift man stattdessen zu Virtual Box. Nach der Installation muss man die Kernelmodule jedoch manuell laden, um die Software ohne Neustart des Systems nutzen zu können.
Viel Arbeit haben die Entwickler in die Paketverwaltung gesteckt, die in den Versionen 10.x oft Ziel der Kritik war. Das hat sich gelohnt, denn in OpenSuse 11 gehen das Kommandozeilentool zypper und dir grafischen Frontends in Yast angenehm flott zu Werke. Sowohl das Nachinstallieren von Paketen als auch das Einlesen der Repositories wurde beschleunigt. Schon zum Erscheinen der Distribution gibt es eine ganze Reihe Community-Repositories, die neben den oben beschriebenen Multimediaerweiterungen viele weitere Programme und Treiber enthalten. Über die KDE-4-Quelle erhält man immer die neueste Version des Desktops, die ATI/AMD-, Nvidia- und Madwifi-Repositories versorgen Grafik- und WLan-Karten mit den passenden Treibern.
Neben den Distributionsquellen, gibt es mehrere Community-Repositories für OpenSuse 11, die zusätzliche Software und Treiber enthalten.
OpenSuse 11 setzt bei den RPM-Paketen auf die LZMA-Kompression, mit der ältere Versionen des Paketmanagers nicht umgehen können. Will man also OpenSuse-11-Pakete unter einer älteren Version der Distribution einspielen, muss man zunächst das rpm-Paket von OpenSuse 11 einspielen – eine Lösung, die die Entwickler allerdings nicht unterstützen und die eventuell zu Problemen führen kann.
Wer mit OpenSuse Textdateien mit der Zeichenkodierung ISO-8859-1 ausdruckt, erhält fehlerhafte Umlaute, da die neue Cups-Version 1.3.4 nur noch UTF-8 und reinen Ascii-Text unterstützt. Textdateien mit westeuropäischer Zeichensatzkodierung müssen daher vor dem Ausdruck mit recode oder iconv nach UTF-8 umgewandelt werden.
Insgesamt macht OpenSuse 11 einen frischen und aufgeräumten Eindruck. Die traditionell gute Hardwareerkennung und die riesige Auswahl aktueller Software empfehlen die Distribution nach wie vor gleichermaßen für Einsteiger und Linux-Profis. Vor allem wegen dem stark verbesserten und beschleunigten Paketmanagement lohnt sich ein Update auf die neue Version. Die Entscheidung, KDE 4 bei der Desktop-Auswahl gleichberechtigt neben Gnome und KDE 3.5.9 zu setzen, kam ein wenig zu früh, da der Desktop nach wie vor zu instabil für den Alltagseinsatz ist. Setzt man jedoch auf die ältere KDE-Version oder auf Gnome, erhält man mit OpenSuse 11 ein stabiles System mit aktueller Software. Die vielen Community-Repositories sorgen dafür, dass man nahezu jede Linux-Software als Paket erhält und OpenSuse im Handumdrehen um zusätzliche Programme und Treiber erweitern kann. (amu)
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