Das Tanzbein schwingen
Microsofts Probleme in Europa begannen bereits 1993, als Novell sich über die "drückenden Lizenzbedingungen" für OEMs beschwerte, die NetWares Position am Markt schwächen würden. Und so begann ein lange Geschichte von Gerichtsverfahren, die 2007 in dem bereits erwähnten Urteil der EU-Kommission mündete. Es kam am Ende einem langen Rechtsstreit, gestartet von RealNetworks mit Unterstützung von Sun, Novell und anderen. Im Laufe der Zeit zogen sich alle Kläger – nach Deals in Millionenhöhe mit Microsoft – aus dem Verfahren zurück. Nur die Free Software Foundation Europe (FSFE), das Samba-Team und ihre Verbündeten blieben bis zum Ende am Ball.
Allison sagte dazu in einem Gespräch mit Groklaw: "Das Copyright an Samba liegt bei ganz vielen Leuten, die ihre Beiträge alle unter der "GPLv2 oder später" und später unter der "GPLv3 oder später" veröffentlichten. Da gibt es nichts zu kaufen oder verkaufen. Wir können nicht sagen: Hier sind die Rechte an Samba. Wir ziehen uns jetzt zurück. Wir sind in der einzigartigen, manche würden sagen nicht beneidenswerten Position, dass wir keinen Ausverkauf machen können."
Als Anwort auf das Urteil der EU gründeten das Samba-Team und das Software Freedom Law Center unter der Leitung von Professor Eben Moglen die Protocol Freedom Information Foundation (PFIF). Die Non-Profit-Organisation hat ein Abkommen mit Microsoft geschlossen, in dessen Rahmen sie "jegliche Protokoll-Dokumentation bekommt, die für die Interoperabilität mit der Produktgruppe der Microsoft Windows Workgroup Server erforderlich ist".
Die Übereinkunft erlaubt die Freigabe des Quellcodes der Implementierung dieser Protokolle ohne weitere Einschränkungen und verträgt sich somit mit Version 2 und 3 der GPL. Weder die PFIF, noch die Samba-Entwickler, Anwender oder Dritt-Anbieter müssen per-copy-Lizenzgebühren bezahlen. Außerdem stellt das Abkommen klar, dass es hierbei nicht um die Anerkennung – weder explizit noch implizit – irgendwelcher Patentrechte geht.
Körperteile
Seit 1992 (Smbserver 1.5) steht Samba unter der GPL. Das Projekt gehörte zu den ersten, die auf die neue GPLv3 umstiegen, nachdem sie 2007 veröffentlicht wurde. Einen neuen Wachstumsschub bekam das Projekt einerseits durch die erzwungene Freigabe der Protokoll-Spezifkationen durch Microsoft, andererseits durch das Nachrücken neuer Entwickler mit frischen Ideen, den Umstieg auf das Versionsverwaltungssystem Git und eine Reihe neuer Herausforderungen. Dazu gehören zum Beispiel die Anforderungen von diversen Appliance-Herstellern, den Clusterbetrieb mit CTDB und das Gleichziehen mit Microsofts Active-Directory-Implementierung.
Während die Arbeit an Samba 3 stetig vorankommt, arbeiten die Entwickler gleichzeitig an Samba 4, das Windows als Domänencontroller ersetzen soll. Letztendlich sollen beide Entwicklungszweige zusammenfließen. Projekt-intern hat sich hierfür der Name "Frankie" eingebürgert, frei nach dem Monster von Frankenstein, das sein Schöpfer aus Leichenteilen zu einer Menschengestalt zusammensetzte. Die Client-Seite von Active Directory nennt Allison einfach ("die haben wir schon seit Jahren"), auf der Server-Seite bereitet die Implementierung dem Team jedoch Albträume, weil es so viel zu berücksichtigen gibt. Neben Kerberos umfasst Active Directory eine Reihe anderer Protokolle, alle zusammengeleimt und – wen wundert's – nicht immer so ganz standardkonform. ([mailto:akl@heise.de])








