Summa summarum 3.3
Nachdem Linux 3.2 etwas mehr Neuerungen erhalten hatte zuvor üblich, bringt Linux 3.3 wieder ein gewohntes Maß. Die zahlreichen Änderungen im Netzwerk-Subsystem – Teaming, Open vSwitch, Bufferbloat-Vermeidung und einiges mehr – zeigen, dass es selbst in einem seit langem etablierten Bereich wie dem Netzwerk-Stack noch Raum für Verbesserungen gibt. Genau wie die neuen Funktionen zum Anpassen der Größe von Ext4-Dateisystemen und der Hot-Replace-Support für den Software-RAID-Code sind diese Änderungen allerdings vornehmlich für Administratoren interessant.
Heimanwender profitieren wohl am meisten von zahlreichen neuen und verbesserten Treibern. Vielleicht haben die Kernel-Entwickler mit Linux 3.3 nun auch endlich alle wesentlichen Probleme ausgeräumt, durch die manche Systeme ins Stocken geraten, während der Kernel Daten auf langsame Datenträger schreibt – auf dem Arbeitsplatz-PC, auf dem diese Zeilen entstanden, ist das Problem mit Linux 3.3 jedenfalls verschwunden.
Kernel-Trends: Was 3.4 bringt
Direkt nach der Freigabe von Linux 3.3 beginnt nun das typischerweise zwei Wochen lange Merge Window, in dem die Kernel-Entwickler den Großteil der Änderungen für die nächste Linux-Version in den Hauptentwicklungszweig integrieren. Für diese erste Phase im Entwicklungszyklus von Linux 3.4 haben die Kernel-Hacker bereits zahlreiche Änderungen vorbereitet.
So sollen die Hyper-V-Storage-Treiber den Staging-Bereich verlassen. Wie schon mehrfach in den vergangenen Monaten gibt es zudem Indizien, die auf die Integration der Userspace-Tracing-Lösung Uprobes hindeuteten. Diesmal sind die Hinweise allerdings noch etwas konkreter, da der bekannte Kernel-Entwickler Peter Zijlstra und der für den Tracing- und Performance-Monitoring-Code zuständige Entwickler Ingo Molnar die Uprobes-Patches begutachtet haben; nach einigen Anpassungen hat Molnar einige der Patches in einer seiner Entwicklerzweige aufgenommen, die in den Kernel-Zweig linux-next einfließen, über den die Kernel-Hacker ihre Änderungen für Linux 3.4 abstimmen (u. a. 1, 2, 3). Dort finden sich auch die Patches zur Implementierung des x32-ABI, über das sich die Vorteile von 64-Bit-x86-Prozessoren nutzen lassen, das aber den mit dem 64-Bit-Betrieb einhergehenden Overhead vermeiden soll.
Das Kernel-Log in c't und auf heise open wird wie üblich über diese und andere Neuerungen am Linux-Kernel und in dessen Umfeld berichten – dazu zählen auch neue Versionen der Stable-Kernel-Series (3.3.y), die in den kommenden Wochen den einen oder anderen Fehler korrigieren dürften, der den Testern der Vorabversionen von Linux 3.3 entgangen ist.
Zudem wird sich das Kernel-Log wie üblich im Rahmen einer Artikel-Serie "Was 3.4 bringt" auf heise open umfassend mit den Neuerungen der nächsten Kernel-Version auseinandersetzen. Sofern Torvalds und seine Mitstreiter im üblichen Tempo arbeiten, dürfte Linux 3.4 zwischen Mitte und Ende Mai erscheinen.
Daten und Zahlen zu den jüngsten Versionen des Linux-Kernels
| Linux- Version | Anzahl Dateien¹ | Zeilen Quelltext² (Ohne Dokum.) |
Entwicklungs- zeitraum |
Anzahl Commits³ | Diffstat⁴ |
| 2.6.37 | 35186 | 13916632 (13006967) |
76 Tage | 11446 | 11104 files changed, 1093202 insertions(+), 598350 deletions(-) |
| 2.6.38 | 35864 | 14208866 (13289311) |
69 Tage | 9542 | 9133 files changed, 747809 insertions(+), 455603 deletions(-) |
| 2.6.39 | 36705 | 14533582 (13600071) |
65 Tage | 10268 | 10985 files changed, 847537 insertions(+), 523387 deletions(-) |
| 3.0 | 36781 | 14646952 (13688408) |
64 Tage | 9153 | 7946 files changed, 555406 insertions(+), 442033 deletions(-) |
| 3.1 | 37084 | 14770469 (13804451) |
94 Tage | 8692 | 9181 files changed, 728892 insertions(+), 604658 deletions(-) |
| 3.2 | 37617 | 14998651 (14017008) |
73 Tage | 11881 | 12608 files changed, 1646421 insertions(+), 1418238 deletions(-) |
| 3.3 | 38082 | 15166074 (14173668) |
74 Tage | 10550 | 10698 files changed, 599745 insertions(+), 432324 deletions(-) |
| ¹ find . -type f -not -regex '\./\.git/.*' | wc -l ² find . -type f -not -regex '\./\.git.*' | xargs cat | wc -l (find . -name *.[hcS] -not -regex '\./\.git.*' | xargs cat | wc -l) ³ git-log --no-merges --pretty=oneline v3.(x-1)..v3.(x) | wc -l ⁴ git diff --shortstat v3.(x-1)..v3.(x) |
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Linux 3.3 herunterladen
Der neue Kernel steht über Kernel.org zum Download bereit; in Kürze dürften auch die Spiegelserver diese Version ausliefern. Den Quellcode gibt es in Tar-Archiven, die mit Gzip, Bzip2 und XZ komprimiert wurden. Die Echtheit des Archivs lässt sich nach dem Dekomprimieren über eine Signatur-Datei prüfen:
[thl@thl tmp]$ wget --quiet http://www.kernel.org/pub/linux/kernel/v3.0/linux-3.1.tar.sign \
http://www.kernel.org/pub/linux/kernel/v3.0/linux-3.1.tar.xz
[thl@thl tmp]$ xz -d linux-3.1.tar.xz
[thl@thl tmp]$ gpg --verify linux-3.1.tar.sign
gpg: Unterschrift vom Mo 24 Okt 2011 09:17:58 CEST mittels RSA-Schlüssel ID 00411886
gpg: Korrekte Unterschrift von "Linus Torvalds <torvalds@linux-foundation.org>"
gpg: WARNUNG: Dieser Schlüssel trägt keine vertrauenswürdige Signatur!
gpg: Es gibt keinen Hinweis, daß die Signatur wirklich dem vorgeblichen Besitzer gehört.
Haupt-Fingerabdruck = ABAF 11C6 5A29 70B1 30AB E3C4 79BE 3E43 0041 1886
Weitere Hintergründe und Informationen rund um Entwicklungen im Linux-Kernel und dessen Umfeld finden sich in den vorangegangenen Kernel-Logs auf heise open. Neue Ausgaben des Kernel-Logs werden auf den Identi.ca- und Twitter-Konten "@kernellog" erwähnt; die englischen, bei den Kollegen von "The H Open" erscheinenden Übersetzungen auf den Identi.ca- und Twitter-Konten "@kernellog2". Gelegentlich zwitschert der Autor des Kernel-Logs unabhängig davon über einige später meist auch im Kernel-Log erwähnte Themen als "@kernellogauthor" bei Identi.ca und Twitter. (thl)









